Kalenderblätter,  Reisen,  Reisen - Deutschland

Februar 2022 – Nordsee

Fürs Februar-Kalenderblatt bin ich diesmal ganz schön spät dran. Jetzt könnte ich Euch erzählen, wie stressig die letzten Tage waren, dass ganz viele Dinge auf mich eingeprasselt sind und dass mir einfach die Zeit fehlte. Aber nee, ich bleib mal ehrlich, ich hatte einfach keine Lust, etwas zu schreiben.
Dabei gibt es gleich richtig schöne Bilder und wir/ich haben sogar was zu erzählen von einem kleinen windumtosten, gemütlichen Urlaub an der Nordsee.

Henrik kommt ganz überrascht aus unserem Arbeitszimmer und sagt: “Ab Februar habe ich einen neuen Job.” Kaum fällt dieser Satz, ist für mich klar, wir müssen die letzte “freie” Woche noch nutzen.
Ich reiche also Urlaub ein und wir machen uns an die Planung. Angesichts der hohen Coronazahlen und der Gefahr, sich jederzeit infizieren zu können, will ich in Deutschland bleiben. Wäre ja irgendwie doof, den neuen Job mit den Worten zu beginnen: “Ich bin jetzt erstmal 10 Tage auf Mallorca in Quarantäne.”
Mein Bauch flüstert schon eine Weile leise “Sylt” und irgendwann sage ich auch laut: “Lass uns nach Sylt fahren.” So buchen wir 3 Tage vorher die Bahnfahrt und einen Tag vor dem Start das Hotel.

Seit ich vor ein paar Jahren allein auf Sylt war und ich diese Insel liebgewonnen habe, denke ich oft, wenn ich am Bahnhof Südkreuz stehe: “In 6 Stunden entspannter Bahnfahrt kannst Du am Meer sein.”
Übrigens: ich stehe oft am Bahnhof Südkreuz, weil ich ganz in der Nähe arbeite. An manchen Tage kann ich das Meer rauschen hören (oder es ist nur das Geschnaufe der Menschen, die sich die Treppen hochquälen, weil gerade wieder die Rolltreppen ausgefallen sind) und die Möwen lachen (die gibt es am Bahnhof wirklich).

Nun stehen wir beide am Bahnhof und warten auf den ICE nach Hamburg. Der kommt pünktlich und ist schön leer. Nach 1:30 h steigen wir in Hamburg um und sind kurz nach 16 Uhr auf Sylt.

Unser Appartement-Hotel liegt nur 400m vom Bahnhof entfernt und nach einem kurzen Stopp dort, um den Koffer abzustellen, stehen wir am Strand. Der Wind treibt dunkle, schwere Wolken über die tosende See.
Wir stellen uns in den Wind, der uns Tränen in die Augen treibt, die Gischt auf unsere Brillengläser tropfen lässt und den Sand um unsere Füße jagt. Herrlich, es ist einfach nur herrlich. Wir lachen uns an und laufen Hand in Hand am Strand der Nacht entgegen.

Stürmische See

Der 1.Tag  auf Sylt beginnt grau und mit dem Lachen von ganz vielen Kindern. Unser Hotel liegt neben einer Schule und auf dem Pausenhof wird gelacht, geschubst und laut gequatscht. Wir kuscheln uns unter die Decke und sind froh, nicht so früh raus zu müssen.
Irgendwann beschließen wir, den Pool des Hotels zu nutzen (aber nur, wenn es nicht zu voll ist). Seit Corona war ich nicht mehr in einem Schwimmbad und jetzt haben wir das für uns allein. Das wird die ganze Woche so bleiben und wir genießen das sehr.

Nach dem Schwimmen und Frühstücken geht es an den Strand. Wir laufen, begleitet vom Rauschen der Wellen, dem Knirschen des Sandes unter unseren Füßen, den schnell ziehenden Wolken über uns und mit Wind im Gesicht von Westerland in Richtung Wennigstedt. Doch ganz soweit, wie wir eigentlich wollen, kommen wir nicht, denn es fängt an zu regnen. Kein leichter Niesel, sondern dicke fette Regentropfen schlagen uns durch den Wind waagerecht ins Gesicht. Nach insgesamt 6km geben wir auf und laufen nur noch durch die Fußgängerzone von Westerland.

Am nächsten Tag ist das Wetter zwar immer noch grau, aber es regnet nicht und so nehmen wir uns vor, bis nach Rantum zu laufen. Immer am Strand und der Nordsee entlang, mit Gegenwind und ab und zu sehr lockerem Sand sind uns nach den 8km ordentlich die Beine schwer. Ich habe richtig Teedurst und Kuchenhunger. Doch in Rantum haben alle Cafés Betriebsferien, sowas kann in der Nebensaison schon mal passieren. Also fahren wir mit dem Bus zurück nach Westerland, setzen uns ins Bahnhofs-Café und schauen erschöpft dem Treiben zu.
Es ist Samstagnachmittag und die Angestellten der Läden aus der Friedrichstr. (Westerlands Fußgängerzone) haben Feierabend und wollen zurück nach Hause aufs Festland. Der Zug kommt erst in einer halben Stunde und die Zeit wird mit Sekt, Kuchen, Kaffee und ganz viel Lachen überbrückt. Ich bin im 7. Zuhör-und Zusehhimmel.

Die darauffolgenden Tage verbringen wir am Strand.
Wir spazieren am südlichsten Ende von Sylt um die Hörnumer Odde, sehen dem stetigen Kampf zwischen Land und Meer zu, werfen einen Blick nach Amrum und Föhr und bummeln an den Reetdachhäusern vorbei, die sich hier in die Dünen kuscheln.

An einem anderen Tag sind wir am nördlichen Ende bei List. Hier laufen wir auf dem Deich lang, unser Blick schweift ab und zu Richtung Rømø oder zum Ellenbogen. Zurück nach List laufen wir durch die Dünenlandschaft und fühlen uns wie auf einem anderen Planeten.

Wir gehen Heinz Schubert (Ekel Alfred) auf dem Wennigstedter Friedhof besuchen und bedanken uns für viele lustige Fernsehstunden mit “Ein Herz und eine Seele”.
Durch Kampen laufen wir an den Luxusläden vorbei zum Roten Kliff und von dort zurück nach Westerland mit einem kurzen Abstecher auf der Uwe-Düne. Dieser Spaziergang ist echter Augenschmaus-Luxus. Man schaut die ganze Zeit weit über das Meer und die Dünen beleuchtet von einem unglaublich schönen Licht, das es so nur auf Sylt gibt und das sogar bei grauem Wetter umwerfend ist. Wir bestaunen herrliche Sonnenuntergänge und werden einen ganzen Vormittag von einem Regenbogen begleitet.

Wenn wir durchgepustet vom Wind sind, die Schuhe voller Sand, meine Wangen knallrot, Hände und Oberschenkel ganz kalt, freuen wir uns auf die Sauna im Hotel.

So genießen wir unsere Woche auf Sylt und nach 7 Tagen sitzen wir wieder in der Bahn. Wir nehmen nochmal die Ruhe mit, schauen der vorbei ziehenden Landschaft hinterher, lesen, quatschen, machen mal die Augen zu und kommen total erholt nach 6 Stunden in Berlin wieder an.

Heimfahrt

Ganz entspannt starten wir in den Februar und Henrik in ein neues Kapitel in seinem Lebenslauf.

Syltgrüße

Fazit: Sylt in der Nebensaison immer und immer wieder und vor allem immer mit der Bahn.

Wer noch mehr Inspiration zu Sylt braucht (vor allem wunderschöne Bilder), die gibt es unter anderem im Reiseblog von Sabine auf Frautschi.

Musik zum Text: Billie Eilish “Ocean Eyes”

Wer noch Lust auf alte Februar-Kalenderblätter hat; hier gibt es das 2019er, 2020er, 2021er.

 

 

8 Kommentare

  • Ramona

    Ihr seid richtig gute Meeresluftschnüffler, ich bekomme richtig viel Lust auf Zugfahrt und Sylt im Februar zu genießen. Liebe Grüße aus der Sonne . von Ramona und Wolfgang zur Zeit aus Sydney . So eine kalte deutsche Nacht wäre gerade nicht schlecht . Ab 22.2.22 habe ich sie wieder .

    • Sylke

      Genießt die Sonne und die Wärme, hier ist es im Moment ganz schön grau und ungemütlich.
      Ihr könnt gerne das australische Sommerwetter mitbringen.
      Grüßt die australische Bande von uns und wir freuen uns auf Euch.

    • Sylke

      Liebe Elli, Du hast ja immer so geschwärmt von Sylt und mich ganz neugierig gemacht. Danke für Deine Inspiration zu dieser wunderschönen Insel.
      Ich glaube, Sylt vermisst Dich auch :o).
      Liebe Grüße Sylke

  • Andrea

    Ooh – hört sich ja nach einer sehr schönen Woche an!!
    Ihr könnt hoffentlich immer noch ein bisschen von der Entspannung zehren und ich hoffe, dass Henrik einen guten Start in den neuen Job hatte!

    Freu mich auf die nächste Inspiration 🙂

    Liebe Grüße
    Andrea

    • Sylke

      Liebe Andrea,
      Henrik ist gut in den Job gestartet und der macht ihm nach den ersten 14 Tagen wirklich Spass.
      Ganz liebe Grüße zurück.

  • Konny

    Ich schließe mich Elli 100%ig an. Tolle Bilder, toller Bericht. Aber ihr seid ja auch tolle Menschen.

    Danke für die Kalenderblätter

    Herzliche Grüße

    • Sylke

      Hallo “Inspirationsgeber”, Danke für die schönen Komplimente.
      Liebe Grüße in den Süden (oder wo Du auch gerade bist :o) ) – Du mutiger und (ich gebe es zurück) toller Mensch.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.