Kalenderblätter,  Reisen

Januar 2022 – Ostsee

Herzlich Willkommen in 2022!

In diesem Jahr will ich Euch in den Kalenderblättern an unseren kleinen Ausflügen aus dem letzten Jahr teilhaben lassen.
Da mir das unbeschwerte Reisen fehlt und auch das Schreiben darüber, reisen wir im Kleinen und ich lasse meine Erinnerungen aufleben.

Vom Spaziergang über Radtouren bis zu einem Kurzurlaub wird alles dabei sein. Vielleicht inspirieren Euch die Artikel ein wenig für Eure eigenen Ausflüge oder lassen Euch ein wenig träumen.
Es muss gar nicht die große weite Welt sein, manchmal reicht ein Spaziergang im eigenen Wohnviertel, um neue Dinge zu entdecken und sich als Abenteurer zu fühlen.
Starten wir das neue Jahr mit einem kalten und wunderschönen Ausflug an die Ostsee.

Kurz nach Weihnachten überfiel mich und Henrik ein Anfall von Fernweh, so ein Gefühl von “Wir müssen mal rauskommen.”, “Lass uns irgendwo hinfahren, mal was anderes sehen.” Ihr kennt das bestimmt, wenn einem die eigene Wohnung zu klein wird, einem das Leben über den Kopf wächst oder man dringend andere Luft atmen möchte.

Kaum hatten wir die Idee im Kopf, hatten wir uns schon für 2 Nächte ein Hotel in Ahrenshoop gebucht, einfach so.
Klar kamen kurz die Gedanken: “Darf man eigentlich wegfahren? Und was muss ich alles beachten?”
Nach all den Grübeleien habe ich meistens schon keine Lust mehr, irgendwohin zu fahren. Doch diesmal haben wir uns nicht lange den Kopf zerbrochen, sondern einfach ganz kurzfristig gebucht.

Schwuppdiwupp sind wir  am 27.12. in Ahrenshoop gelandet. Ein grauer Himmel, aus dem auf der Fahrt Eisregen fiel (was das Ganze ziemlich abenteuerlich gestaltet hat) begleitete uns bis an Ziel.
Kaum angekommen, nutzen wir das graue, restliche Tageslicht für einen ausgiebigen zweistündigen Strandspaziergang bei eiskalten -5°C. Der Sand knirschte unter unseren Schuhen, kleine Wellen schlugen neben uns an den Strand, betongraue Wolken zogen über unsere Köpfe hinweg, Strandläufer und Möwen stritten sich um die angeschwemmten Muscheln und wir lächelten glücklich vor uns hin.

Irgendwann trieben uns Kälte und Kaffeedurst in ein kleines gemütliches Kaffee, von dem wir dann den Rückweg ins Hotel antraten.
Wie so oft auf unseren Spaziergängen überkam uns bei den letzten Metern noch die Abenteuerlust und wir versuchten uns an einer “Abkürzung”. Hinter der Seemannskirche in Ahrenshoop liefen wir Richtung Bodden und hier war der Wind ganz schön stürmisch. Also so ein richtiger sibirischer Eiswind, der mir sofort die Tränen in die Augen trieb und die Nase erfrieren lies.
Natürlich haben wir keine Abkürzung gefunden, sondern stolperten in der einbrechenden Dunkelheit über ein Feld mit lauter Maulwurfshügeln und lachten über unsere Dämlichkeit, nicht auf der Hauptstraße geblieben zu sein. Naja, irgendwann haben wir doch noch unser Hotel gefunden, ohne uns Erfrierungen zugezogen zu haben.

Nach einem wirklich ganz leckeren Frühstück in unserem Hotel am nächsten Morgen zog es uns wieder an den Strand. Diesmal starteten wir unseren Sparziergang am Ortsrand Prerow.  Es ging ein paar Schritte durch den Wald, hoch auf eine kleine Düne und schon schauten wir über die Ostsee – immer wieder schön.

Es war immer noch ganz knackig kalt, aber der Wind kam von hinten. Die Sonne versuchte sich ein wenig durch die Wolken zu kämpfen und färbte dabei das Meer bleigrau mit kleinen, weißgekrönten Wellen. In diesem spektakulären Szenario setzen wir einen Fuß vor den anderen, atmenden die salzige Luft tief in unsere Lungen, quatschten, wärmten uns gegenseitig die Hände, freuten uns an Strand und Meer und waren ganz im Hier und Jetzt.
Ohne Anstrengung lagen eineinhalb Stunden später 5 km Strandspaziergang hinter uns.
Am Nothafen Darßer Ort beschlossen wir, durch den Wald zurückzulaufen und nicht gegen den Wind am Strand anzukämpfen. “Aber wenn schon durch den Wald”, dachten wir uns, “dann können wir auch gleich noch den kleinen Abstecher zum Leuchtturm machen.”

Nach weiteren 4 km im Wald und der wunderschönen Darßer Dünenlandschaft standen wir vor dem pittoresken Leuchtturm am Darßer Ort (wo am Dienstag Ruhetag ist, aber zum Glück die Toilette offen war).
Der Blick vom Strand auf den Turm ist märchenhaft.
Wir waren vor 20 Jahren zum letzten Mal hier und das Bild vom Leuchtturm in den Dünen, umgeben von den Kiefern hat sich ganz tief in meine Erinnerung gegraben. Jetzt, wo ich wieder hier stand, war ich wieder ganz gefangen von diesem einmaligen Anblick und mein Kopf zauberte alle Märchen hervor, angefangen mit Rapunzel bis zum Fischer und seiner Frau.

Auf Grund der Kälte machten wir nur ein klitzekleines Päuschen, bevor wir den Rückweg nach Prerow antraten.
Weitere 4 km langen noch vor uns, als es anfing zu nieseln.
Nieselregen bei -4°C lässt fragile Eismuster auf den Winterjacken und den Mützen entstehen und Henriks Bart wurde mit Eiszapfen verschönt. Leider hat man als Brillenträger nur noch wenig Weitblick, wenn sich Einkristalle auf den Gläsern bilden.

Zwei Kilometer vor Prerow überkam uns wieder die bereits oben beschriebene Abenteuerlust und anstatt dem breiten Weg zu folgen, beschlossen wir, uns durch den Wald zu schlagen. Und kaum zu glauben, diesmal war es die richtige Entscheidung (also wir haben vielleicht 200m gespart). Im kleinen Ort war das Laufen dann um so schwieriger, der Eisnieselregen überzog Straßen und Gehwege mit einer spiegelglatten Eisschicht.
Doch nachdem wir uns mit Kaffee und Kuchen gestärkt hatten, schafften wir noch die letzten 2 Kilometer unfallfrei zu unserem Auto.

Am nächsten Morgen lag die ganze Landschaft in einem dichten Nebel. Bevor es für uns nach Hause ging, machten wir noch einen kleinen Abstecher nach Zingst, um auch dort am Strand zu spazieren. Hier war es aber bereits richtig voll. Am Strand musste man den anderen Menschen ausweichen, beim Überqueren der Strandaufgänge aufpassen, dass man von Radfahrern und anderen Spaziergängern nicht weggeömmelt wird.

Nach zwei Stunden saßen wir im Auto und fuhren wieder nach Hause. Der dicke Nebel begleitete uns bis nach Hause und machte auch die Heimfahrt zu einem Abenteuer.

Nebelfahrt

Fazit:
– Im Winter an die Ostsee – auf jeden Fall und immer wieder. Wir machen das schon seit über 20 Jahren und finden es oft schöner als im Sommer.
– So ein Kurztrip ist Erholung pur (auch für nur 2 Tage).
– Auf dem Darß gibt es viele gut ausgebaute und beschilderte Wander- und Radwege.
– Ahrenshoop eignet sich für ein Ankommen und sofort an den Strand gehen außerordentlich gut. Es liegt auf einer der dünnsten Stellen auf dem Darß und von jedem Hotel, jeder Ferienwohnung sind es nur ein paar Schritte bis zur Ostsee. Im Sommer stauen sich die Autos auf der Hauptstraße und der schmale Strand ist voll mit Menschen. Doch jetzt im Winter ist es verhältnismäßig ruhig.
– Es gibt etwas Gutes an Coronazeiten (hätte nie gedacht, dass ich was Gutes daran finde), aber man kann ganz kurzfristig noch gute Hotels buchen.
– Als Dreifach-Geimpfter ist eine spontane Urlaubsreise fast schon wieder so wie früher machbar (nur Maske tragen und überall den Impfnachweis zeigen).

Wir wünschen Euch ein schönes 2022!

Lied zum Text: Materia “Strandkind”

Und hier geht es zu den Kalenderblätter Januar: 2019, 2020, 2021

Wer ein paar Tipps für den Urlaub oder einen Kurztrip für die Halbinsel Fischland Darß braucht, kann bei  Bolle und Marco von “Komm wir machen das einfach!” vorbeischauen.

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