Ein Roadtrip: Kapitel 8 – Heimweg

Unser Roadtrip

#66 Ein Roadtrip: Kapitel 8 – Heimweg
Lied zum Text: Clueso “Stadtrandlichter”

In Andorra stehen wir auf 2400 Meter mitten im Schnee und schauen nicht nur ins Tal, sondern auch auf fast 5 Wochen Roadtrip-Abenteuer. Ab jetzt ist klar, wir befinden uns auf dem Rückweg.
Dieser Weg wird uns nicht nur zurück nach Berlin führen, sondern auch der erste Schritt in den nächsten Lebensabschnitt sein. Diese Reise geht nun langsam zu ende und damit auch unsere Auszeit.
Was uns hinter dem Gipfel erwartet, wissen wir noch nicht.
Sollte jedoch der Abschluss unseres Roadtrips ein Ausblick auf das neue Abenteuer sein, dann wird es überraschend schön.

Carcassonne

Eigentlich wollen wir schnell nach Hause. Einmal quer durch Frankreich und Deutschland – der Roadtrip ist vorbei, was soll jetzt noch kommen?
Doch wir haben uns eine gemächliche Reisegeschwindigkeit angewöhnt und schauen erstmal, was so auf dem Weg liegt. Wie wär’s mit einem kleinen Abstecher zum Mittelmeer? Außerdem ist Carcassonne gar nicht weit. Vor langer Zeit hat uns dieses Städtchen ein Franzose empfohlen.
Na dann los ins Mittelalter.
Keine 4 Stunden nach unserem Schneeausflug in Andorra stehen wir bei sonnigen 23°C in der Cité von Carcassonne.
Und was ist das für eine großartige Burganlage? Eine richtig erhaltene Festungsstadt thront auf dem Hügel über der neuen Stadt. Wir sind schwer begeistert, laufen einmal mitten durch und einmal rechts rum und einmal links rum und wieder mitten durch. Als wir an der Außenmauer entlanglaufen, geht gerade die Sonne unter und taucht alles in ein warmes, weiches, goldenes Licht. Die Zeitreise ist perfekt und wir schicken ein dickes, fettes Dankeschön an unseren Tipp-Geber.  

Am Mittelmeer

Am nächsten Morgen kündigt sich ein weiterer warmer, sonniger Tag an und so machen wir den spontanen Abstecher zum Mittelmeer.
Was ist nur aus mir in den letzten zwei Jahren geworden? Einfach von den Plänen abweichen wäre damals nicht gegangen – und heute?
Heute ist das mit viel Spaß und einer großen Portion Gelassenheit verbunden. Wenn Henrik anfängt, mehr zu planen als ich, dann muss ich ziemlich tiefenentspannt sein.

So fahren wir ein gemütliches Stündchen durch die sich verändernde Landschaft. Hinter uns sind noch die schneebedeckten Berge der Pyrenäen zu erahnen, vor uns liegt die Lagunenlandschaft der Aude. Kurz vor Gruissan weist uns dann der Tour Barberousse den Weg zum Meer. Große Parkplätze (im Moment sind einige Teile noch geschlossen) lassen erahnen, wie voll es hier im Sommer werden kann. Jetzt, Mitte März, ist noch nicht viel los.

Wir holen unsere Badesachen aus dem Auto, laufen an den hübschen Stelzenhäusern vorbei und legen uns ans Meer.
Nach dem urgewaltigen Atlantik mit seiner dramatischen Steilküste kommt uns das Mittelmeer wie ein Kinderplanschbecken vor. Ganz flach geht der Strand ins Meer über, nur ganz kleine Wellen bewegen das Wasser – wir finden es ein bisschen langweilig.

Also schauen wir diesmal nicht dem Meer zu, sondern den paar Menschen um uns herum. Großeltern, die mit ihren Enkeln buddeln, Spaziergängern mit ihren Hunden, Freundinnen, die ein Picknick machen und Familien, die sich ins eiskalte Wasser trauen. Auch ich probiere das Wasser aus, bei 15°C komme ich aber nur bis zum Bauchnabel, zum Abtauchen ist es mir heute zu kalt.

Zum Kaffee trinken gehen wir in den kleinen Ort, der uns wirklich gut gefällt und natürlich besteigen wir auch den Turm (Tour Barberousse), von dem man einen eindrucksvollen Blick über die Landschaft hat.

Auf kleinen Landstraßen fahren wir danach immer am Meer entlang zu unserem Hotel in Beziers.

Auf dem Vulkan

Unsere nächste Station sind die Vulkane der Auvergne. Mehr zufällig landen wir in dieser einzigartigen Landschaft.
Diese kennen wir zwar aus der Werbung eines Wasseranbieters, sind aber nie auf den Gedanken gekommen, mal selbst hinzufahren.

Wir wollen auf den Puy de Dome, den höchsten Vulkan mit seinen 1465 Metern. Wir stellen uns vor, dass wir von hier weit in die Vulkanlandschaft blicken können. Über 80 Vulkankegel/berge soll es geben.
Zum Berggipfel fahren wir mit der Zahnradbahn, in der viele Menschen mit Helm und überdimensional großen Rucksäcken sitzen.
Die kahle Bergspitze mit der Sendeanlage und dem kleinen Observatorium erinnert mich an den Brocken. Anders als auf dem Brocken gibt es hier aber seit der Antike Tempel und Gotteshäuser. An der Ausgrabungsstelle laufen wir staunend vorbei.

Unser Ziel ist jedoch ein Aussichtspunkt, wir wollen die Vulkanlandschaft sehen.
Doch nichts ist, Nebel liegt über der Bergkette. Die Krater, Berge und Hügel sind nur zu erahnen. Wir sind kurz davor, enttäuscht zu sein, da fliegt knapp vor unseren Köpfen ein Gleitschirmflieger vorbei und dann noch einer und noch einer und ….
Da sind sie, die Menschen mit dem Helm und dem schweren Gepäck aus der Bahn, sie fliegen an uns vorbei ins Tal. Vom ganzen Gipfel wird gestartet oder der Start geübt, es geht einzeln hinunter oder im Tandemsprung.
Nie im Leben würde ich mich das trauen, aber das Zusehen macht mir unglaublich viel Spaß.

Langsam umrunden wir den Gipfel und machen uns nach einer Stunde an den Abstieg.
Über 2,5 Stunden brauchen wir ins Tal (ja, auch weil wir immer wieder staunend stehen bleiben) und werden von Joggern überholt. Die rennen den sehr steilen Geröllweg runter oder auch hoch. Einem von ihnen bekommt das nicht so gut und er wird von einem Notfallteam, dass sich den steilen Weg auch erst hochkämpfen muss, geborgen. Daraufhin gehen wir noch vorsichtiger.

Am Abend liegen wir erschöpft in unseren Betten und nehmen uns vor, die Auvergne irgendwann wieder zu besuchen.

Beaune

Weiter geht es Richtung Heimat. Den nächsten Zwischenstopp machen wir in Beaune – der Hauptstadt des Burgunderweins. Beaune ist ein richtig süßes französisches Städtchen, dass umgeben von Weinstöcken in der Landschaft liegt. Im Moment hält es noch Winterschlaf, nur wenige Menschen sind unterwegs und es ist nicht so einfach, ein offenes Café zu finden. So bummeln wir durch die kleinen Gassen und genießen nochmal französische Lebenskultur.

Verdun

Unsere letzte Station in Frankreich ist Verdun und bildet nicht nur den Abschluss für unseren Roadtrip, sondern auch für die letzten zwei Jahre Europareise.

Gänsehaut überkommt uns, als wir in das ehemalige Kampfgebiet fahren. Das 26.000 Hektar große Schlachtfeld ist heute eine Gedenkstätte. Der größte Teil des Gebiets wird von Wäldern bedeckt.
Die angelegten Wege dürfen nicht verlassen werden. Immer noch liegen Granaten, Munition und Knochen im Wald. 50 Millionen Granaten und Minen wurden hier im 1. Weltkrieg verschossen.
Über 700.000 Menschen haben in diesem Gebiet ihr Leben verloren. So viele Träume, Hoffnungen und Leben liegen hier begraben.

Mehr als 100 Jahre ist dieses schreckliche Kapitel her und die Natur trägt weiterhin die Narben. Wir laufen an Kratern, Laufgängen, Bunkern und Schützengräben vorbei und gehen durch eines der sieben Dörfer, die dem Erdboden gleich gemacht wurden. Diese Dörfer haben bis heute ein Ortseingangsschild und es gibt für jedes Dorf einen Bürgermeister.

Und dann stehen wir vor den tausenden weißen Kreuzen, etwas über ihnen steht das Beinhaus von Douaumont. Es soll ein überdimensioniertes Schwert, dass in den Boden gerammt ist, darstellen. Hier liegen tausende Knochen und Schädel von Soldaten, die nicht mehr identifiziert werden konnten.

Heute ist es still, Vögel pfeifen, der Wind rauscht in den Bäumen. Vor 100 Jahren herrschte hier ein ohrenbetäubender Lärm – Tag und Nacht. Die Schrecken dieser Zeit können wir uns nicht ausmalen.

Als wir am Fort Douaumount stehen, einer großen Bunkeranlage, geht gerade die Sonne unter. Auf dem Fort stehen 3 Fahnen und wehen im Wind.
Sie symbolisieren für uns auch unsere Reise durch Europa.

In den letzten zwei Jahren sind wir ohne Schwierigkeiten, ohne Angst, ohne großes  Gedankenmachen und meistens ohne Geld zu tauschen (Dank des Euros) von einem Land Europas ins nächste gefahren (insgesamt waren wir in 20 Ländern). Überall fühlten wir uns willkommen, verstanden und wohl.
Dass die Länder und die Nationen es in den letzten 70 Jahren geschafft haben, trotz jahrhundertelanger Kämpfe, verschiedener Kulturen und Ansichten, trotz Wut und Rachegelüsten aufeinander,  zusammen zu kommen und im Frieden miteinander zu leben, ist ein großes Gut.
Ein vereintes Europa ist heute kein Traum mehr und wir sollten gut auf unser Europa aufpassen.
Hier, auf einem der größten Schlachtfelder, wird uns das um so klarer.

Fazit unseres Roadtrips:
  • In fast 5 Wochen haben wir ca. 6000 km zurückgelegt.
  • Spontan von Hotel zu Hotel zu fahren, ist in Mittel- und Südeuropa kein Problem (auf jeden Fall in der Vorsaison). Wir haben im Schnitt 50€ pro Nacht und Zimmer ausgegeben.
  • Gebucht haben wir die Hotels übers Internet einen Tag vorher oder am selben Tag.
  • Nur mit dem Auto unterwegs zu sein (ohne Wohnwagen, ohne weit im Voraus gebuchter Quartiere), gibt dem Reisen nochmal ein großes Stück Leichtigkeit und Spontanität.
  • Essen zu gehen ist in der Vorsaison in einigen Gebieten schon etwas schwerer. Oft sind die Restaurants nur im Sommer jeden Tag geöffnet.
  • Wir haben oft ein Hotelzimmerpicknick veranstaltet. Dafür hatten wir unseren Wasserkocher, unseren Toaster, Geschirr und Besteck mit.
  • Öffentliche Toiletten sind in unseren Nachbarländern fast immer kostenlos, so auch in Frankreich und Spanien (in den letzten 2 Jahren haben wir uns oft gefragt: Warum bei uns in Deutschland nicht?).
  • Die Franzosen sind zu uns Deutschen oft viel freundlicher als angenommen.
  • Auch wenn man keinen Wein trinkt (so wie wir), ist Frankreich ein wunderbares, vielfältiges Reiseland.
  • Orte zum Staunen auf unserer Reise: Mont Saint Michel, Dune du Pilat, Bordeaux, die Küstenlandschaft von Biarritz bis Santander, Bilbao, die Pyrenäen, Carcassonne, die Vulkane der Auvergne, Gedenkstätte Verdun.

Zwei ganz schön glückliche Menschen

 

 

 

 

 

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