Grübeln übers – Spenden

Heldentag

Seit vielen Jahren gehe ich zum Blut spenden, doch immer wieder komme ich darüber ins Grübeln. Ist es richtig, mein Blut dem Deutschen Roten Kreuz zu geben? Wie karitativ sind Gemeinnützige Vereine? Sollte man überhaupt etwas spenden? Ist es nicht ein Ding, dass man,  wenn man etwas Gutes tut, sich trotzdem schlecht fühlt.

Henrik sagt:” Biste soweit, wir müssen los zum Blut spenden? Aber eigentlich dürften wir beim Deutschen Roten Kreuz nicht mehr Blut spenden. Die verdienen sich dumm und dämlich an unserem Blut und den vielen ehrenamtlichen Helfern.”
Recht hat er oder nicht oder vielleicht doch… Aber ich will weiter Blut spenden gehen.
Nicht fürs DRK, sondern für mich.

Immer wieder liest und hört man, dass das  Deutsche Rote Kreuz nicht ganz so human ist, wie es gerne wirken würde. Ehrenamtliche Helfer werden “ausgenutzt” (allein für den Blutspendebereich arbeiten in Deutschland 200.000 Helfer!) , durch den Status als Wohlfahrt-Konzern Steuern “hinterzogen” und Blutspenden teuer ins Ausland verkauft. Klar ist für mich, dass das DRK ein großer Verein ist und  dass es von der Managementseite nur um Gewinn geht, wenig um Menschlichkeit.
Ich gebe mich keinen Illusionen mehr hin – alle sind korrupt. Irgendwann erliegen alle dem Schein des Geldes, spätestens wenn in eine soziale Einrichtung die erste Beraterfirma einfällt, ist es mit der sozialen Verantwortung vorbei. Da mache ich mir nichts mehr vor.
Immer dort, wo es umsonst oder billig etwas zu holen gibt, was sich teuer verkaufen lässt, wird es jemanden geben, der seine Moral über Bord wirft.

Trotzdem werde ich weiter beim DRK zum Spenden gehen und ich mache das für mich.
Ich hege die Hoffnung, dass mein Blut an jemanden geht, der es wirklich braucht (Blutwurst für die Schulkantine werden sie ja hoffentlich nicht daraus machen). Ich mache mir keine Gedanken mehr, ob jemand daran Geld verdient und ehrlich gesagt, ich möchte mir diese Gedanken auch nicht machen.
Klar könnte ich auch bei anderen Institutionen mein Blut spenden, aber ob die sozialer sind?
Für mich ist das Spenden bei der DRK einfach. Ich gehe fast alle 12 Wochen an den gleichen Ort, treffe dort Leute, die ebenfalls schon lange zum Spenden gehen. Ich freue mich auf Manfred und die anderen ehrenamtlichen Helfer, alle ausgestattet mit einer richtigen Berliner Schnauze, die das Ganze zu etwas Besonderen machen. ” Na Kleene,  trink mal ordentlich wat, damit dit rote Zeusch och rauskommt.” “Willste noch ne Stulle oder soll ick dir nen Brötchen schmieren?” “Mmmh schau mal, heute jibts lecker Leberwurscht.”
Wo bitte spricht heute noch jemand so mit Dir? Das ist für mich wie ein Theaterstück und ich bezahle den Eintritt mit meinem Blut.

Ich hoffe wirklich darauf, etwas Gutes zu tun. Zum Glück lebe ich nicht allein auf dieser Welt und wenn ich mit ein paar Tropfen Blut helfen kann, ist das toll. Wegen diesem Gefühl, “Teil einer großen Menge zu sein”, habe ich auch einen Organspendeausweis und bin in der Knochenmarkspendendatei eingetragen.

Ich habe mir fest vorgenommen, nicht mehr zu grübeln, ob ich mit meinen Spenden ( und nicht nur meinen Blutspenden) wirklich etwas Gutes tue oder nur reiche Menschen noch reicher mache – also auf jeden Fall bis zum nächsten Skandal.

Auch mal einen Blumenstrauß verschenken. Machen – nicht grübeln.

Macht Ihr Euch beim Spenden auch Gedanken, ob Euer Geld/Blut usw. da ankommt, wo es gebraucht wird? Spendet Ihr überhaupt oder denkt Ihr das ist Quatsch? Fühlt ihr Euch bei guten Taten auch manchmal schlecht?

 

 

 

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4 commentaires sur “Grübeln übers – Spenden

  1. Hallo Sylke,
    Ich habe mir noch nie darüber Gedanken gemacht, ob das, was ich schenke oder in irgendeiner Weise gebe keinen Sinn hätte.Ich habe auch einen Organspendeausweis und bin bei der DKMS Datei registriert, seitdem der 5 jährige Sohn einer Bekannten an Blutkrebs litt. Wir haben überall zum Spenden aufgerufen,heute wäre er 29. Er verstarb leider. Alle paar Wochen fragen die jetzt von der DKMS ob es mir gut geht, da ich möglicherweise einen “match ” haben könnte. Würde mich riesig freuen,wenn ich jemanden das Leben retten könnte. Es ist mir egal, ob es einen Skandal bei der Organspende gab,wenn keiner mehr spenden würde,ist das auch keine Lösung. Ich schenke viel,vor allem Zeit und Ohr für so viele. Als Mutter gibt man sowieso viel naturgegeben. Nur Blutspenden war ich noch nie, warum weiß ich eigentlich nicht. Vielleicht,weil ich nicht so schön mit jemanden Hand halten kann wie Du …

  2. Du hast mich damals zum Blutspenden animiert und seitdem versuche ich so regelmäßig wie möglich zu gehen. Ich selber habe auch noch mehr Leute mitgenommen, die jetzt regelmäßige Spender sind, warum auch nicht?
    Wir tun etwas Gutes!
    Was die großen Geldgeier damit anfangen dafür können wir nichts.
    Ich denke mir jedes Mal vor einer Spende, dass ich vielleicht irgendeinem Menschen mit meiner Spende helfe. Wie viel Geld dabei verdient wird ist mir egal.

  3. Hallo Sylke,
    wieder ein toller Artikel…
    Ich war auch recht regelmäßig Blut spenden und in der DKMS registriert.
    Bis zum 60.Lebensjahr- dann wird man ehrenhaft entlassen.
    Organspendeausweis habe ich auch schon lange.Natürlich macht man sich auch wie du Gedanken darüber, ob das wirklich alles so toll ist… aber letztendlich bin ich dabei geblieben .
    Wie Reinhard mit dem Zitat schon richtig liegt:
    Man macht es auch für sich… und wer will bezweifeln, dass Goethe ein kluger Kopf war?

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