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September 2022 – Spätsommerspaziergang

Die Sonne hängt noch tief in den Bäumen, als ich mich gegen 7 Uhr zu meiner Schwimmrunde aufmache. Das Gras am Wegesrand hat sich mit unzähligen Tautropfen geschmückt und im Wald riecht es nach Erde. Der Herbst nähert sich mit großen Schritten und dem goldenen Zauberlicht. Ich freue mich nach den vielen heißen Tagen auf die Abkühlung und hoffe doch, dass es die nächsten Wochen warm (nicht heiß) bleibt und der Abschied vom Sommer lange dauert.

Ich habe den September also heute morgen mit einer Runde im See begrüßt. Das Wasser ist wärmer als die kühle Luft, die Sonne glitzert auf dem Wasser, kleine Wellen schwappen ans Ufer und außer mir und den Enten ist keiner weiter hier. Ich traue mich nur ganz vorsichtig zu schwimmen, um die Ruhe nicht zu stören. Kann ein Tag schöner beginnen? Nach den lauten, heißen Sommertagen gehört der See ab jetzt am Morgen wieder mir.

Ich freue mich auf den September und den damit einhergehenden Herbst. In unserem Schlafzimmer werden wieder Schlaftemperaturen herrschen. Ich werde meine kalten Füße wieder bei Henrik wärmen können und auch ein aneinander gekuscheltes Einschlafen wird wieder möglich sein. Wenn ich draußen meinen Tee trinke, wird dieser dampfen und heißer sein als die Umgebungstemperatur. Ich werde in unserem Garten rumwerkeln können, ohne dass mir der Schweiß vom Körper rinnt. Wir werden wieder am Lagerfeuer sitzen können (der Bauch dem Feuer zugewandt warm, der Rücken kalt). Und langsam werden wir uns vom Sommer verabschieden. Die bunten Blättern an den Bäumen werden die Farbenfülle der Blumen im Garten ablösen. Ja Herbst, ich bin bereit für Dich.

Spätsommerspaziergang

Jetzt, wo die Temperaturen langsam wieder zur Bewegung einladen, könnte man doch mal über einen ausgedehnten Spaziergang nachdenken. Wie wäre es mit dem Havelhöhenweg? Dieser verläuft im Wald und man hat immer einen Blick aufs Wasser. Doch Achtung: ein wenig Kondition braucht man dafür. Als wir den Weg im letzten Jahr zum ersten Mal gelaufen sind, haben wir das komplett unterschätzt.

Nach einem langen Frühstück und einem gemütlich verbummelten Herbstmorgen haben wir uns aufgemacht, den Havelhöhenweg zu erkunden.  Wir haben gedacht, wir spazieren gemütlich ein bis höchstens zwei Stunden an der Havel entlang. Das “Höhen” im Wort haben wir sorgfältig ignoriert. Was kann in Berlin schon hoch sein?
Mit der S-Bahn sind wir von Grünau zum S-Bahnhof Nikolassee gefahren und dann langsam zum Wanderweg spaziert. Die ersten Stufen hinauf zum Höhenweg haben wir locker genommen, den Ausblick über die Havel und die umliegenden Wälder ausgiebig genossen. An verschiedenen Punkten auf dem Weg gibt es Erklärungstafeln. Es gibt also viel zu schauen und zu lesen.

Nach der ersten halben Stunde schauten wir zum Grunewaldturm rüber und beschlossen, da dann ein Kaffeepäuschen zu machen. Er lag zwar noch ein gutes Stück von uns entfernt, aber das sollte ja wohl kein Problem sein. Tja, und dann ging es auf und ab. Kaum waren wir die Treppe zum Höhenweg hochgestiegen, ging es auch schon wieder abwärts und gleich darauf mussten wir wieder hochsteigen. In der ersten Stunde war das kein Problem. Die Aussichten belohnten für jede Anstrengung.

Als dann jedoch die Uhr langsam auf 16 Uhr zu ging, unser Kaffeedurst langsam übermächtig wurde und der Grunewaldturm immer noch nicht in Sichtweite kam, wurde unsere Stimmung etwas angespannter. Jede Stufe wurde jetzt mit einem Stöhnen begrüßt.
Nach knapp zwei Stunden hatten wir es dann geschafft und konnten endlich eine Pause machen. Der Ausblick vom Café war/ist wirklich herrlich. Die erste halbe Stunde, haben wir die Seele erstmal baumeln und unseren Blick schweifen lassen. Wir hätten ewig da sitzen können.
Doch dann meldet sich unsere Vernunft: “Ihr müsst noch ein ganzes Stück laufen. Wenn Ihr mal genau hinschaut, verschwindet auch schon die Sonne hinter den Bäumen. Und im Dunkeln durch den Grunewald laufen, wollt Ihr doch auch nicht.” Mit schwerem Herzen und noch viel schweren Beinen verabschiedeten wir uns vom diesem netten Plätzchen und liefen weiter.

Als “Outdoor-Experten” entschieden wir uns für eine Abkürzung. Ihr könnt erahnen, dass das nicht gut ausging.
Irgendwo hatten wir eine Abzweigung verpasst, der Weg vor uns war nur noch zu erahnen. Zum einen, weil er ziemlich schmal war, zum anderen, weil es wirklich dunkel wurde. So stolperten wir (mitten in der Stadt) hilflos durch einen Wald. Nachdem wir – aus Abkürzungsgründen- den Weg dann ganz verlassen hatten, standen wir 15 min später an der Heerstraße. Das war wirklich eine unserer Glanzleistungen – Lost in Berlin. Da stampfen wir wochenlang durch Lappland und tiefe baltische Wälder ohne uns verlaufen, aber direkt vor der Haustür…

Völlig erschöpft von unserem geplanten kleinen, gemütlichen Spaziergang sind wir dann am Abend am Bahnhof Pichelsberg in die S-Bahn gefallen.

Trotzdem möchten wir Euch den Havelhöhenweg ans Herz legen, vielleicht geht Ihr diesen jetzt weniger naiv an als wir. Es ist ein wunderschöner Wanderweg mitten in Berlin, der sehr gut ausgeschildert und beschrieben ist. Alle Infos dazu findet Ihr im Link.

Wir werden in diesem Jahr etwas mehr wandern, fürs uns geht es Mitte September nach Südtirol. Ich freuen mich schon riesig auf unseren Urlaub. Es könnte jedoch sein, dass das nächste Kalenderblatt wieder etwas auf sich warten lässt.

Macht Euch einen bunten, fröhlichen September und tanzt mit Earth, Wind & Fire in den “September“.

Ach ja, und hier noch die letzten September-Kalenderblätter 2019, 2020 und 2021.

 

 

 

 

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