Kalenderblätter

Kalenderblatt September 2020

Dampf steigt aus der Teetasse vor mir auf, er bildet hübsche kleine Wölkchen. Die Welt um mich herum ist still, nur der Wind bewegt die Blätter in unseren Linden und spielt dabei sein uraltes Lied. Die Sonne scheint golden durch die sich langsam verfärbenden Blätter. Ich sitze auf unserer Gartenbank, dem Logenplatz für dieses alltägliche, leise und doch atemberaubende Schauspiel. Gerade im September sind diese kleinen, ruhigen Momente mit dem beginnenden Herbstlicht, dem Blätterrauschen und erstem Blätterfallen unglaublich schön.

 

Schöne Momente im September

Eine Abschiedsrunde im See ziehen

Mit dem Fahrrad einen Tagesausflug machen

Eine Runde Paddeln gehen oder am Wasser sitzen und den Booten zusehen

Den Wind in den Bäumen rauschen hören

Im Wald ist es still, nur mein Rad klappert über die Wurzeln auf dem Weg. Durch die Bäume blinzelt die tiefstehende September-Sonne, gebrochen vom Dunst, der sich vom Waldboden erhebt. Die Luft weht mir kühl entgegen.

Es ist kurz nach 7 Uhr. Ich bin noch ein wenig verschlafen und gleichzeitig voller Vorfreude auf diesen neuen Tag.
Heute beim Aufwachen habe ich mal wieder gedacht “Ach lieber noch eine Runde umdrehen. Du brauchst ja eigentlich noch nicht aufstehen.” Doch eine andere Stimme raunte mir leise zu “Bald ist es um die Zeit noch dunkel und richtig kalt, dann kannst Du liegen bleiben. Jetzt gehe raus und begrüße den neuen Tag.”

Und ich habe zum Glück auf die zweite Stimme gehört (wie fast täglich in den letzten Monaten).
Als ich dann auf meinem Fahrrad sitze und die frische Morgenluft meine Lunge lüftet, fühle ich mich furchtbar stolz und frei. Ich habe meinen Schweinehund besiegt, er konnte mich heute früh nicht einengen.

Eine Viertelstunde dauert meine Fahrt. Ja, auch weil ich extra bummle. Es ist einfach so schön, den Tag im Wald erwachen zu sehen und mich erwartet noch etwas viel Schöneres. Doch erstmal bewundere ich noch die die Spinnennetze, die übersät sind von kleinen Tautröpfchen. Weiter geht´s an einem knallroten Fliegenpilz vorbei, dann halte ich noch an einem klitzekleinen Flusslauf, weil sich hier die Sonne so schön spiegelt. Noch ein paar Meter und dann bin ich da.

Ich komme aus dem Schatten des Waldes auf eine sandige Lichtung. Mein Blick wird sofort vom Wasser angezogen. Heute liegt die Dahme ruhig wie ein Spiegel vor mir.
Noch ist niemand da oder schon wieder weg. Es ist gibt einige, die sich wie ich jeden Morgen auf den Weg machen, um einen Augenblick pures Glück zu spüren, zu atmen, zu erleben.
Um so älter das Jahr wird, um so weniger Leute treffe ich.

Heute also gehört mir dieser Augenblick ganz allein. Das glitzernde Wasser vor mir, die Sonne auf meiner Haut, das leise Rauschen der Bäume, das Schnattern der Enten, der Nebel, der am gegenüberliegenden Ufer aus den Bäumen steigt, … .
Alles meins – die Welt gehört mir.
Nach einem kurzen Verharren ziehe ich mich aus und schon bin ich im Wasser. Es hat sich nach dem heißen Sommer wieder auf 18°C abgekühlt.

Das heißt, das erste Eintauchen ist immer Brrrrr und Überwindung und Luft anhalten. Nach den ersten kräftigen Schwimmzügen ist alles wunderbar. Ich schwimme in einem Meer aus Gold und Silber und bin die Königin in dieser Welt.

Irgendwann geht es zurück ans Ufer mit einem schnellen Abtrocknen und Anziehen, denn die Luft ist kälter als das Wasser. Noch ein letzter sehnsüchtiger Abschiedsblick schweift über den Fluss, dann geht es zurück nach Hause und der Tag kann beginnen.

 

Vielleicht habt Ihr es gemerkt, ich liebe diese frühen Morgen im September, es gibt kaum schönere Momente für mich.

Ich hoffe, dass ich auch dieses Jahr noch bis in den Oktober baden gehen kann. Ab unter 16°C Wassertemperatur wird es auch mir langsam zu ungemütlich, vor allem wenn die Luft dann auch noch kalt ist.

Wer nicht so aufs Baden steht, kann im September auch herrliche Stunden auf einem Boot beim Paddeln verbringen oder eine große Runde mit dem Rad durch den beginnenden Herbstwald drehen.

Wem die Zeit für all das fehlt: bleib einfach mal einen Moment unter einem Baum stehen, schließe die Augen und höre die Blätter rauschen – ein ganz kleiner, wertvoller schöner Moment im September.

Hier geht es zum Kalenderblatt September 2019.

 

 

 

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