Ein Roadtrip: Kapitel 4 – Von Saint Nazaire nach Royan

#62 Ein Roadtrip: Kapitel 4 – Von Saint Nazaire nach Royan
Lied zum Text: Charles Trenet “La Mer”

Am Meer

Wir sind an der französischen Atlantikküste angekommen ( kein Ärmelkanal mehr, sondern weites, offenes Meer) und fahren von einem Küstenort in den nächsten. Auf diesem Teil der Reise bin ich ziemlich erkältet. Da ich kaum sprechen kann, gibt es diesmal viele Bilder und weniger Text.

Bereits in Saint Malo kündigte sich bei mir eine Erkältung an. Leichte Kopfschmerzen, ein kleines Kratzen im Hals und eine laufende Nase steuerten uns in die nächste Apotheke. Hier wurden wir von einer ganz freundlichen Französin bedient, die sogar ihre alten Deutsch-Kenntnisse für uns auskramte.

Was soll ich sagen? Für die nächste Woche nicht mehr viel, außer Krächzen kommt bei  mir nichts mehr über die Lippen. Henrik ist jetzt der kommunikative Teil unserer Beziehung und ich nicke, schüttle den Kopf oder brumme.
Ansonsten lässt sich die Erkältung aber einigermaßen aushalten und wir müssen unser Reiseprogramm nicht großartig umstellen.

Les Sables – d’Olonne

Von Saint Nazaire fahren wir über eine der großen französischen Brücken über die Loire und lassen die Hafenstadt hinter uns.

Mein Wunscherfüller; im Hintergrund die Mündung der Loire

Ich will heute nichts entscheiden und mehr oder weniger meine Ruhe haben. Aber eines  will ich ganz sicher: viel Meer und Meeresluft.
Henrik sucht genau das Richtige für uns raus, eine kleine Pension direkt an den Klippen von Les Sables – d’Olonne. Selten haben wir dichter am Meer gewohnt. Selbst aus dem Bett können wir die dicken Wellen sehen.

Natürlich hält mich bei diesem Ausblick auch die Erkältung nicht im Bett und wir machen einen langen, ruhigen Spaziergang an den Klippen unseres Ortes.
Die Wellen rollen dramatisch und mit Getöse gegen die Steinwände. Immer wieder steigen kleine, salzige Fontänen aus sonst unsichtbaren Löchern auf den Spazierweg. Der Wind treibt den Meeresschaum über unsere Köpfe. Bei diesem Naturschauspiel vergesse ich glatt meine Erkältung. Nur wenn ich mein glückseliges Erstaunen Henrik mitteilen will, kommt nichts über meine Lippen.
Egal, völlig egal – einfach nur genießen und Klappe halten.

La Rochelle

Am nächsten Morgen schlafen wir aus und steuern unser nächstes Ziel La Rochelle an. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch die Gemeinde La Bernard. Hier gibt es noch einige Dolmen und Megalithen. Als wir vor dem Dolmen “La Frebouchère” stehen, sind wir beeindruckt. Wie bitte haben unsere Vor-, Vor-, Vorfahren diesen riesigen Abdeckstein da rauf bekommen?

Dolmen “La Frébouchére” bei La Bernard

Am frühen Nachmittag begrüßt uns La Rochelle mit herrlichem Sonnenschein und erstaunlich wenig Verkehr. Erst, als wir in die Parkuhr Geld einschmeißen wollen, wird uns klar, dass heute Sonntag ist.
Die Geschäfte in den weitläufigen Arkadengängen sind zu und die Innenstadt ausgestorben. Das berühmte Rathaus (Hotel de Ville) mit seiner angeblich wunderschönen Fassade versteckt sich hinter einem Baugerüst und dicken Planen.
Dafür ist am Hafen richtig was los. Die Franzosen sitzen in den vielen Restaurants mit dem Gesicht in der Sonne, spielen Boulé an der Hafeneinfahrt oder beobachten ihre Kinder auf den Spielplätzen. In ihren Taschen, Beutel oder unterm Arm klemmt immer das obligatorische Baguette
Ihr Geplauder plätschert neben uns so dahin und lullt uns in eine ganz entspannte Sonntagsstimmung.

In der Nacht stürmt und regnet es gewaltig in der alten Hugenotten-Stadt. Der Wind peitscht den Regen gegen unser Hotelfenster und an Schlaf ist kaum zu denken. Auch am nächsten Tag begleitet uns der Wind. Er treibt die Wolken über den Himmel, schüttelt die Bäume richtig durch und uns die Haare um die Ohren.

Fort Boyard

Henrik möchte unbedingt das Fort Boyard sehen. Eine ovale Festung mitten im Wattenmeer, bekannt aus diversen Fernsehshows.
Als Tourist kann man es nicht besuchen, aber mit dem Boot drumherum fahren. Da wir beide  zur Seekrankheit neigen, lassen wir diese Idee auf Grund des stürmischen Wetters gleich fallen.
Ich glaube nicht, dass man das Fort vom Festland aus sieht, doch da habe ich mich getäuscht. Auf Gutdünken fahren wir auf kleinen Straßen immer am Meer lang und dann sehen wir es sogar recht deutlich im Meer stehen.

Brouage

Mittags sind wir dann wieder mal im Mittelalter. Wir laufen auf den Mauern der alten Hafenstadt Brouage.
Die Stadt liegt heute nicht mehr am Meer. Auf Grund der Verlandung ist sie einige hundert Meter von der Küste entfernt, aber sonst ist hier fast alles wie vor 400 Jahren.

Royan

Am Abend sitzen wir in Royan bei einem Hotelzimmer-Picknick und lassen die letzten Tage Revue passieren. Am nächsten Morgen setzen wir mit der Fähre nach La Verdun sur Mer über und beginnen einen neuen, aufregenden Teil unseres Roadtrips.

 

 

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