Grübeln über – Staunen

Das Meer – ein guter Ort zum
Staunen

An fast jedem Tag in meinem Leben, gibt es einen Staun-Moment. Einen Moment, an dem mir die Augen aus dem Kopf rollen und mein Mund offen stehen bleibt. Mich überrascht ganz viel: Menschen, Natur, Technik, Neues und auch Altbekanntes. Mir sieht man das leider auch sofort an. In unserer Familie heißt es dann: “Starr nicht so und mach den Mund zu.”

Henrik sagt lächelnd: “Na, wunderst Du Dich wieder, wie das funktioniert?” Wir stehen vor einem Faxgerät, aus dem gerade ein Papier mit etwas Handgeschriebenen kommt und ja, ich wundere mich. Wie funktioniert das bitte?
Für alle Jüngeren: ein Fax ist die Vorstufe von einer E-Mail (ach, die ist ja auch schon uralt) also fast sowas wie WhatsApp, nur viel cooler. Du steckst in Hamburg eine handgeschriebenes Blatt Papier rein und in Berlin kommt mit der gleichen Handschrift ein anderes Stück Papier raus. Henrik hat mir das schon oft erklärt, aber für mich ist das Magie.

Ich bekenne mich: “Ich bin ein Stauner, ein Wunderer, ein Überraschter.” Keine Sorge, das ist jetzt keine Krankheit, nur ein nettes Überbleibsel aus meiner Kindheit.
Über manche Sachen wundere ich mich schon seit … – eigentlich immer.

Das Meer ist so eine Sache. Kaum stehe ich am Strand, staune ich und mein Kopf philosophiert.
Die Wellen rollen über den Sand, das haben sie immer schon getan und werden es auch noch tun, wenn es die Menschen nicht mehr gibt. Es ist ihnen egal, ob ich hier stehe, sie tun das nicht für mich, sie machen das für niemanden. Ist das nicht irre?
Das Meer ist so unglaublich schön und das ohne bestimmten Zweck. Es ist einfach da. Mein kleiner menschlicher Kopf kann das nicht fassen. Denn, um es auf den Punkt zu bringen: Für die Natur bin ich absolut bedeutungslos. Der Gedanke versetzt mich jedesmal ins Staunen, macht mich demütig, ein wenig froh und frei.
Dieses Wundern erlebe ich auch in den Bergen, in tiefen Wäldern, an einem See, wenn sich die Sonne durch dunkle Wolken schiebt, wenn sich aus einer Knospe ein Blatt entwickelt, wenn ein Schmetterling vorbeifliegt, wenn…
Immer, wenn sich die Natur von ihrer schönsten Seite zeigt, bin ich überwältigt und staune mit offenem Mund über diese Verschwendung von Glück. Ich nehme mir dann vor, es der Natur gleich zutun und das Schöne freigiebig zu verschwenden, zu verschenken.

Und bin dann überrascht, wenn andere Menschen das auch tun. Wenn sie mir auf einmal ein kleines Lächeln schenken oder wenn ein junger Mann, einem Älteren seinen Platz in der Bahn überlässt oder wenn der Mutter mit dem Kinderwagen so viele Helfer zur Verfügung stehen, dass sie neben dem Kinderwagen die Treppe runterlaufen kann. Alles schon erlebt und alles versetzt mich mit einem Lächeln ins Staunen. Immer wieder.

Natürlich wundere ich mich oft völlig sprachlos, mit schüttelnden Kopf und leider jedesmal aufs Neue über die Dummheit, die Respektlosigkeit und die Aggressivität einzelner Menschen. Doch an diesem Punkt will ich mich gar nicht mehr lange mit meiner Überraschung aufhalten, denn das raubt mir unglaublich viel Energie und gute Laune.
An dieser Stelle gefällt mir mein Wundertum nicht besonders gut. Da wäre ich lieber schlagfertiger, hätte gerne ein Pokerface und ein Selbstbewusstsein, mit dem ich den anderen sofort in seine Schranken weisen könnte.
Ich arbeite daran, jeden Tag ein kleines Stückchen.

Um nochmal auf technische Dinge zurück zukommen: der unglaubliche Ideenreichtum der Menschen versetzt mich ins Staunen und die Geräte dann selber auch.
Ich habe mit Henrik einen begeisterten Technikjünger an meiner Seite und manchmal überrascht mich dann unsere Heimtechnik, wie Lampen, die aufs Wort hören, dann aber nicht das machen, was man von ihnen will (das Licht an). Oder Musik, die auf einmal durchs Haus dröhnt, ohne dass sie jemand angemacht hat (unsere Tochter hat sie von unterwegs über ihr Handy gestartet). Oder unser Fernseher, der nur angeht, wenn man klatscht, aber mein Händeklatschen nicht akzeptiert, dafür aber wenn ich niese. Oder…
All diese Dinge passieren bei uns zuhause und das bei jemanden, der über die wundersame Magie eines Faxgerätes staunt.
Ihr merkt, ich werde in diesem Leben aus dem Staunen nicht mehr raus kommen – Ich bin ein Dauerwunderer.

Sonnenaufgang

Seid Ihr über die alltäglichen Dinge des Lebens auch erstaunt? Gibt es technische Geräte die ihr auch nicht begreift, auch wenn ihr in der Theorie die Funktionsweise versteht? Kann Euch ein rot-brennender Sonnenaufgang in Erstaunen versetzten? Seid Ihr vom Meer, den Bergen auch immer wieder aufs Neue fasziniert? Worüber wundert Ihr Euch? Und von was wollt Ihr Euch weniger überraschen lassen?

Über mein Staunen im Bereich zwischenmenschlichen Beziehungen hatte ich Euch bei Grübeln über – Privatsphäre schon mal einen Einblick gegeben.

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2 commentaires sur “Grübeln über – Staunen

  1. Oh ja, das kann ich gut nachfühlen. Ich habe auch keine Ahnung, warum oder wie gewisse Technik funktioniert. Ein Fax kann ich ebenfalls nicht erklären. Aber ich nutze die Dinge gerne und nehme sie idR unverstanden hin. Ins Staunen versetzen mich die Sachen dann immer nur, wenn sie nicht mehr funktionieren. Und ins Wundern bringen mich dann die Tekkies, die den Kram, insbesondere Computerzeug, mit ein paar wenigen (aber immer irre schnellen) Mausbewegungen und Klicks wieder hinbekommen.
    Naturphänome sind auch so ein Ding. Jahrzehntelang habe ich mich gefragt, wie Hochwasser nur durch Regen entstehen kann. Mein Klick kam, als es mir an einem Beispiel erklärt wurde.
    Der Körper ist auch so ein „cooles Teil“. Da passiert auch so viel, was mich Staunen macht. Ich schneide mich und es verheilt etc.

    Auf Reisen entdecke ich gerne die Alltäglichkeit anderer Menschen. Bin gerade in China unterwegs…und bin zB total verblüfft, dass Du hier in jedem noch so kleinen Shop elektronisch bezahlst. Und in etlichen annähernd schäbigen Restaurants du einfach nur einen QR-Code scannst und dann die Speisekarte auf deinem Handybildschirm erscheint und du hier deine Auswahl triffst. Da kommt der Kellner nur noch zum Bringen des Essens und zum Abräumen.
    Oder das eine Frau die Hinterlassenschaft ihres Hundes mit einer Serviette aufnimmt und dann entsorgt.
    Hier gibt es jeden Tag diverse Alltäglichkeit, die mich staunen lässt. Und wundern darüber, wie ein gewisser Teil unserer Bevölkerung auf die Idee kommt, sich für etwas besseres zu halten.

    • Hi Konny,
      und schon wieder staune ich ;o)…Du bist im Moment soooooweit weg, kannst den Artikel trotzdem lesen und wir können uns fast in Echtzeit unterhalten – unglaublich. Ich habe mich heute früh ganz riesig über Deinen Kommentar gefreut und sitze hier gerade mit einem Dauerlächeln. Danke dafür. Wir wünschen Dir tolle Begegnungen, unvergessliche Erlebnisse – einfach ein neues, schönes Abenteuer. Lass Dich überraschen, staune und wundere Dich. Wir freuen uns schon auf Deine Berichte. Liebe Grüße ins ferne China.

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