Grübeln über – mein Fernsehverhalten

Unser schwarzer Loch – der Fernseher

Meine Beziehung zum Fernsehen ist sehr gespalten. Eigentlich liebe ich Filme, doch die kann man sich im normalen Fernsehprogramm, auf Grund der Werbeunterbrechungen, ja nicht ansehen. Ansonsten gibt es allerhand Schrott.
Obwohl ich nicht besonders fernsehgefährdet bin (ich mag keine Serien, keine Doku-Soaps, keine Schlagerparties und eigentlich auch keine Quizsendungen) läuft das Ding bei uns fast jeden Abend. Eigentlich komisch – ich versuche das mal zu ergründen.

Henrik sagt:”Müssen wir das jetzt wirklich gucken?” und ich: “Klar, wie jedes Jahr. Du kannst dabei doch gut 3 Stunden CandyCrush spielen oder ne Runde pennen.” Bei uns in der Glotze läuft der Euro Vision Song Contest.
Ich freue mich jedes Jahr darauf, um nach einer halben Stunde zu denken: ” Mein Gott, warum vergesse ich jedes Mal, wie langweilig das ist.” Aber vor Henrik gebe ich mir keine Blöße, wir schauen uns das ganze Geschnulze bis zum Ende an. Ja, auch die langweilige Punktevergabe.
Keine Ahnung, warum ich das mache?  Wir hören sonst noch nicht mal die Musikrichtungen, die hier gespielt werden. Hat bestimmt etwas mit Ritualen zu tun oder mit diesem Teufelskasten, der in unserem Wohnzimmer hängt.

Wir schauen nicht übermäßig viel fern, aber wenn einem am Abend das schwarze Loch von der Wand anstarrt, dann macht man es an und schon ist man gefangen. Oft kann ich das Gesülze, was da rauskommt, nicht ertragen und schaue doch hin – unglaublich.

In unseren 3 Monaten im Monster hatten wir keinen Fernseher und haben ihn auch nicht vermisst – nicht einen einzigen Tag. Warum bitte mache ich ihn dann zu hause an? Ja, ich bin schwach, ich lasse mich gerne berieseln.
Es gibt Sendungen, die schaue ich nur, um gut einzuschlafen. Niemand ermittelt mich so gut in den Schlaf , wie Inspektor Barneby. Jeden Montag haben wir eine Verabredung im Schlafzimmer – der Inspektor und ich.
Ich erlebe immer den Anfang des Falls, aber nie das Ende. Henrik kommt erst zum Ende des Falls dazu (da schlafe ich schon selig) und kennt den Anfang nie. Das nenne ich mal eine ergänzende Beziehung.

Auch Boxen hat diese unglaublich einschläfernde Wirkung auf mich. Meistens schlafe ich schon, wenn der letzte Ton der Nationalhymne gespielt wird. Dabei schaue ich wirklich gerne Boxkämpfe, komme aber nie über die ersten zwei Runden. Mike Tyson war für mich wirklich cool. Endlich mal ein Boxer, der an die Schnellschläfer gedacht hat – erste Runde und K.O. – super, da habe ich auch mal das Ende eines Kampfes gesehen (nun ja, ist aber auch schon sehr lange her).

Überhaupt Sport – ich habe es ja nicht so mit selber machen, aber beim Zuschauen wachse ich über mich hinaus. Ich habe mich so gefreut, dass ich Zeit hatte, die Winter Olympiade zu sehen. Nach dem Zieleinlauf bin ich von der Spannung meistens genauso erschöpft, wie die Sportler.
Ich schaue mir sogar Fußballspiele im Fernseher an und war ganz gefangen von der Rugby-WM in England. Im “wahren” Leben interessieren mich all diese Sportarten überhaupt nicht.
Niemals käme ich auf die Idee, in den Wintersport zu fahren oder mich freiwillig in ein Rugby-Station zu setzen. So beim Grübeln ist es mir unbegreiflich, warum ich das so gerne im Fernseher sehe.

Sehr zu Henriks Bedauern bin ich auch kein Serien-Junkie. Zur Zeit gibt es Serien, die sind besser gemacht als jeder Spielfilm, aber mich Jahre einem Thema zu verschreiben, immer am Ball bleiben zu müssen, schreckt mich echt ab.
Wenn dann jedoch mal eine Folge durch unser Wohnzimmer flimmert, schaue ich mir auch diese bis zum Schluss an. Ohne den Zusammenhang zu kennen , das ist doch verrückt.
Ich könnte in dieser Zeit so viele andere Dinge machen, Dinge die mich weiterbringen, die mir wirklich Spaß machen, über die ich mich nicht ärgere – doch der Zauberkasten nimmt mich gefangen.

Und ich lasse mich gerne fangen. Denn wenn ich ehrlich bin, so auf meiner Couch in eine Decke einkuschelt, Henrik an meiner Seite und ein gutes Buch für die wirklich schlimmen Momente im Fernsehen, ist es richtig schön gemütlich.

Auf dem Sofa – ganz schön gemütlich

Habt Ihr die Glotze auch an und wisst gar nicht warum? Ärgert Ihr Euch auch manchmal, dass diese Berieselung funktioniert? Würdet Ihr die Zeit auch gerne besser nutzen? Oder liebt Ihr Euren Fernseher und freut Euch, dass er Euch in andere Welten entführt?

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5 commentaires sur “Grübeln über – mein Fernsehverhalten

  1. Tja,
    da sind sie wieder, die uralten Rituale unserer Menschwerdung!
    Das gemütliche, zentrale Feuer in der Mitte der Höhle und das beruhigende und beschützende Gemurmel der Gruppe im Hintergrund.
    So ist das!!

  2. Hallo Sylke,
    spätestens nach der Umstellung von DVBT-1 auf 2 wurde mir schmerzlich bewusst, das mit der Apparat zum Einschlafen fehlt.Ich habe sämtliches Equipment rangeschafft, um halbwegs vernünftig Fernsehen zu können,auch ohne private Sender,Fehlanzeige.Das Ding ist einfach nur an, wenn ich koche, redet ja sonst keiner.Interessant ist es so gut wie nie.Seither schaue ich mir über das Smartphone im Bett Berichte und Dokus an,stelle es ins Bett und suche nach Themen und dann gehts los.Leider schlafe ich da auch immer ein.Bis zum Ende schaffe ich es nie 🙁 aber Hauptsache die Gehirnmasse hatte Ablenkung und Sohnemann kommt nicht mit Sprüchen an wie” Unterschichtenfernsehen”, im Bett schreibt mir keiner was vor.Und manchmal darf es auch mal doof sein,ja, mit was für Problemen soll ich diesen täglich gequälten Hirnmuskel sonst noch belasten.Schalte an,dann schalt’ste ab.In diesem Sinne,gute Nacht….

  3. Liebe Sylke,
    schöner Artikel! Versuche mal darüber nachzudenken, wie viel Zeit Du Deines Lebens in das schwarze Loch investierst? Was bleibt tatsächlich haften? Welche Sendungen bereichern Euer Leben? Ist es nicht schon ein automatisches Suchtverhalten? Wie könntest Du Dir stattdessen die Zeit mit etwas anderem gestalten? (=> gerade jetzt im Sommer => raus, Natur, Freunde, Ruhe oder ein Spiel).
    Seit 2013 habe ich die Glotze ausgestellt. Plötzlich Zeit für alles mögliche … und nicht mehr diese Abhängigkeit.
    ja, auch Filme schaue ich weiterhin (weil ich sie mag), aber ich suche sie mir gezielt im Internet heraus, vor allem Dokus und schaue sie, wenn ich dafür die Muße habe.
    Mal sehen, wie Du in einpaar Monaten darüber denkst.
    Liebe Grüße, Claudia

    • Hallo Claudia,
      das hört sich gut an. Im Sommer läuft das Ding bei uns auch kaum. Aber ja Du hast recht vielleicht ist Sucht mit im Spiel. Zum Glück haben wir keine Entzugserscheinungen, wenn das Ding nicht an ist. Wie gesagt letzten Sommer haben wir fast 4 Monate ohne Fernsehen, Kino oder irgendwie anders Filme sehen gut ausgehalten und nie was vermisst.
      Ich wünsche Dir einen schönen, sonnigen Tag.
      Sylke

  4. Huhu Sylke, letzten Sommer ward ihr auf einer wunderschönen Reise … da vermisst man diese Kiste auch nicht im geringsten 😉 gerade auch bei Eurer Reise.
    Versuche doch mal eine kleine Herausforderung innerhalb Deiner 4 Wände: lass einige Tage, gerade am Abend bei nicht gerade bombischen Wetter (momentan nicht so recht möglich) ab 20:15 Uhr den Fernseher ruhen.
    Für mich war es damals nicht so einfach gewesen und ich hatte immer wieder Lust, die Kiste anzustellen und erst später, habe ich die positiven Auswirkungen bewusst wahrgenommen. (Dies sollte bei Dir nicht schwierig sein, gerade auch, weil Du ein stark sozialer und kreativer Mensch bist).
    Schönen Abend, schöne Pfingsten und lasst es Euch gut gehen und viele Grüße an Henrik, von der Claudia (ex FD-Team)

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