Technik, Technik, Technik

Skoda und Monster in Riga

#19 Technik, Technik, Technik
Lied zum Text: Wilkinson “Brand New”

Es hat lange gedauert, bis ich mich mal durchringen konnte und auch einen Beitrag veröffentlichen wollte. Also wollen, wollte ich die ganze Zeit. Aber es dann auch machen. Das ist wieder die andere Geschichte. Das Schreiben ist nicht so mein Ding.
Und da ich in dieser Familie der Administrator bin und mich sowieso für Technik interessiere, gibt es jetzt mal einen technischen Bericht vom Monster. Also nichts Schöngeistiges wie bei Sylke.

Die ganze Wohnwagentechnik und das Gefahre ist für mich ziemliches Neuland.

Fangen wir mal mit dem Fahren an. Einen Anhänger anzukoppeln ist ja einfach, das kannte ich von den kleinen Versionen. Auf die Kugel fallen lassen und schnips, ist er drauf. Stecker noch rein und schon sind alle Blinker und Leuchten in Betrieb. Neu ist dann aber noch der zusätzliche Hebel, der den Kugelkopf per Bremsbacken festhält. Das dient der Sicherheit und unterstützt das Antischlingersystem im Monster. In engen Kurven hört man es dann schon mal von hinten knirschen. Und die Pulverbeschichtung der Kupplung hat es erstmal runter geschruppt.

Beim Ankoppeln und rückwärts ranfahren macht sich die Kamera im Skoda wirklich gut. Sie hat einen Anhängermodus, der eine Draufsicht auf die Deichsel zeigt. Dadurch ist das Ranfahren ziemlich easy und beim Rückwärtsfahren kann man immer den Einschlagwinkel erkennen.
Aber Wenden in engen Straßen ist schwierig. Weil der ganze Tross fast 12 Meter lang ist. Wenn´s hinten passt, ist man vorne schon wieder mit irgendeinem Reifen am Bordstein. Und die Felgen sind schick und nagelneu. Also ein Problem. Da lernt man dann, sehr vorausschauend zu fahren. Am besten vorher in die Straße schauen und schnellen Blickes erfassen, ob man da reinfahren sollte oder eben nicht. Dafür bekommt man ganz schnell ein Auge. Auch Parkplätze fährt man immer gleich so an, dass man auch gut wieder rauskommt. Wenn‘ s eng wird, muss Sylke sowieso aussteigen und Zeichen geben. Ist immer noch am sichersten.

Auf gerader Autobahn oder Landstraße zu fahren, macht sowieso am meisten Spaß. Da kann man sich schön rollen lassen. Unangenehm wird es, wenn die Straße ruppig wird. Außer den Längsbewegungen und das Aufschaukeln tritt dann manchmal ein anderer Effekt auf. Die Auflaufbremse entwickelt dann ein Eigenleben und das Monster bremst auf einmal allein, obwohl man gerade beschleunigt. Fühlt sich dann ziemlich komisch an. Widersprüchlich irgendwie. Das Fahrwerk des Skoda haben wir auf Sport gestellt, damit werden die Bewegungen etwas unterdrückt. Ansonsten fahren wir auf Autobahnen immer zwischen den Lastern. Abstandsradar rein und mit 88 km/h mitgeschwommen. Schon senkt sich der Verbrauch von 15 Liter auf 11,5. damit kann man leben. Ohne Anhängern nimmt der Skoda bei dem Tempo nur 6,5 Liter, heul…

Gut, dafür hat er aber 280 PS und die Autobahnauffahrten werden damit zum Kinderspiel. Unter Vollgas merkt man die 1,4 Tonnen vom Monster kaum.

Nochmals zum Thema Breite. Der Superb ist mit Spiegeln 2,03 Meter breit. Man braucht ja leider diese hässlichen Zusatzspiegel, um annähernd “hinter” den Wohnwagen zu schauen. Damit bin ich dann 2,40 m breit. Das Monster selbst ist 2,20 m. Wenn ich also mit den Spiegeln durch bin, kann eigentlich nichts weiter passieren. Außer oben wird es enger, in Torbögen o.ä. Apropos hässliche Spiegel. Ich habe mir welche gekauft, die über Bänder am Spiegel festgemacht werden. Haben einen soliden Eindruck gemacht. Dann, bei der ersten Fahrt, wir haben den Wohnwagen aus Calau  abgeholt, lassen die sich nicht anbauen, weil die Skoda Spiegel so stark geschrägt sind, dass die gesamte Konstruktion einfach runterrutscht. Also sind wir die allererste Fahrt im “Blindflug” nach Hause.

hässlicher Zusatzspiegel

Nächsten Tag die Spiegel getauscht gegen welche zum Anschrauben. Der arme Lack an den Spiegeln! Und anstatt 40 Euro haben die neuen 80 Euro gekostet. Schwingen zwar etwas auf schlechten Straßen, aber sie halten. Und das Einstellen hat echt lange gedauert. Da habe ich immer wieder nachgebessert, bis ich wirklich gut das Ende vom Monster sehen konnte. Ist wichtig, wenn man Radfahrer auf Landstraßen überholt! Sonst hat man plötzlich blinde Passagiere dran kleben.

Seitenwind ist für das Gefährt eine unschöne Sache. Hatten wir mal ne Stunde lang. Der Skoda hat aber diesen Spurhalteassistenten. Der ist da wirklich Gold wert. Lenkt sofort gegen, noch bevor man es selber konnte.

Jetzt zur Technik. Sind doch ein paar Dinge mehr drin, als man denkt. Oder als ich dachte.

Okay, Sachen wie Kühlschrank, Licht und Steckdosen ist ja klar, Gasherd über Propangasflaschen ist wie Grillen, kennt man also. Kühlschrank über Gas zu betreiben, war mir neu. Kann man umschalten zwischen 230 V, Batterie und eben Gas. Da wir auf den meisten Campingplätzen Strom haben, mussten wir ihn noch nicht über Gas laufen lassen. Funktioniert aber- habe ich natürlich gleich getestet. Wasser gibt es auch im Monster. Da haben wir einen 40 Liter Behälter. Die Pumpen fürs Klo und Waschbecken funktionieren natürlich auch nur mit Strom. Deshalb haben wir überlegt, so für den abgelegenen Teil Finnlands, dass wir einen Akku brauchen. Sonst kann man sich nicht mal die Hände waschen. Den haben wir von der Firma einbauen lassen, die uns auch den Mover eingebaut haben.

Gasheizung

Mover: wie der Name schon sagt, da wird der Wohnwagen bewegt. Und zwar per Fernbedienung, Elektromotor und Batterie. Wie ein funkferngesteuertes Auto für große Jungs. Aber nur ganz langsam. Dazu wird eine Stahlwalze an die Reifen herangekurbelt und dann geht’s los. Ist eine echte Erleichterung für enge Stellplätze oder Stellplätze mit Wurzeln o.ä., denn man bekommt das 1,4 Tonnen Monster zwar geschoben, aber bei der kleinsten Unebenheit ist es vorbei.

Und die Batterie für den Mover sollte nun auch gleichzeitig den Strom für schlechte Zeiten in Finnland liefern. Und während der Fahrt sollte sie sich laden und auf dem Campingplatz bei Stromanschluss auch. Das machte sie auch am Anfang. Dazu musste allerdings mit Hilfe von elektronischen Helferlein alles richtig angeschlossen sein. Da ich von Elektrik keine Ahnung habe, hat  mir unser Nachbar viel geholfen. So sind wir nach Italien gefahren.

Batterie

Jetzt sollte die Batterie aber noch den Wohnwagen mit Strom versorgen, wenn kein Strom von außen anliegt und wenn das Auto nicht dran ist. Daher musste noch ein Wechselrelais eingebaut werden, das entsprechend das Auto oder die Batterie freigibt. Da gab es dann so einige Probleme mit der Technik, ist nämlich alles gar nicht so einfach, wenn der Strom plötzlich wieder Richtung Auto fließt, weil plötzlich eine Diode irgendetwas freigibt. Ick verstand nur Bahnhof, oder wie mein Vater die Elektrik beschreibt:“Plus is Minus und blau is Rot!“

Danke an Jens für die 2 Nächte und den halben Vormittag. Jetzt klacken alle Relais, wenn sie es sollen und alle Dioden sperren in die richtige Richtung. Puh, und nichts wird warm und brennt ab….

Und wir haben jetzt schon einmal mit Batterie gestanden und alles hat funktioniert. Inklusive Klospülung.

Thema Sicherheitstechnik: Die vorhandenen Schlösser an den Türen sind ein Witz, die überlappen kaum den Türfalz. Da wollte ich sofort aufrüsten. Als sicherheitsbewusster Deutscher muss das sein. Eigentum schützen. Also die Zusatzschlösser gekauft und angeschraubt. Da fällt mir ein; das machen die bestimmt mit Absicht, weil sie mit den Zulieferern ein Abkommen haben, damit man sich das teure Zeug noch kaufen muss….Verschwörungstheorie…muss ich mal dem Kartellamt melden….

Und dann sind da noch die Stützen, die man jedes Mal raus kurbeln muss, damit der Wohnwagen ordentlich steht. Das habe ich einmal per Hand gemacht und dann sofort beschlossen, dass ich das mit einem Akkuschrauber mache. Also, ab in den Keller und ein paar Verlängerungen und eine 19-er Nuss gesucht. Gefunden! Allerdings passt das nicht ins Bohrfutter. Bevor ich was Teures kaufe, weiter im Keller gesucht. Die Lösung war eine schöne Schraube, die ich am Schleifbock auf das richtige Maß gebracht habe. Sieht nicht schön aus, funktioniert aber seit insgesamt 6 Wochen täglich ausgezeichnet.

Adapter für die Kurbel, damit man die Stützen nicht immer von Hand kurbeln muss.

Und was braucht man noch so an Technik? Ganz wichtig: Gummiseile zum Einhaken, Karabiner, Kabelbinder und den obligatorischen Leatherman. Und eine Fußbank mit Fußmatte….

geniale Kombination, so bleibt das Monster sauber

So, ich denke, das war genug technisches Geschwafel.

 

 

 

 

 

 

 

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6 commentaires sur “Technik, Technik, Technik

  1. Hi Henrik,
    hat sich trotz Technik Technik Technik sehr flüssig und interessant gelesen und mich zum Entschluss gebracht, ich sollte es lassen. Dachte immer, dass wäre mal was für einen Urlaub, auch wenn nur so in Deutschland, aber es schreckt nach deinem Bericht doch ab .
    Habt noch eine schöne Zeit und beim nächsten Mal kannst du dich ruhig an was Schöngeistigem rantrauen
    Lg Anett

    • Hi Anett,
      abschrecken wollte ich dich natürlich nicht.
      Eigentlich ist das alles gar nicht so schlimm. Nur wenn man selber versucht, das Autarkpaket einzubauen, dann könnte es kompliziert werden. Wenn du dir irgendwo einen Wohnwagen leihen möchtest, dann ist ja dort alles komplett drin.
      Gruß Henrik

  2. Pfiffige Lösungen. (Sagt man heute eigentlich noch “pfiffig” ? – egal, ihr wisst, was ich meine) Ich bin begeistert. Sehr anschaulich beschrieben. Guter Mann Henrik !

  3. Dange Du alter Tech-Nick,

    wie ich lese, habt ihr ne menge Spaß und du hast euren Kreuzfahrtdampfer voll im Griff. Tobt euch weiter schön aus.

    Beste Grüße
    Berten

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