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April 2022 – Ausflug nach Dresden

Ostern steht vor der Tür und damit ein paar freie Tage. An denen kann man sich verkriechen, die Decke über den Kopf ziehen und endlich ausschlafen, schlafen, einschlafen, alles verschlafen. Oder man trifft sich mit der Familie und seinen Freunden zum Ostereier suchen und Eierlikör trinken. Oder man macht einen Ausflug. Und für einen Ausflug hätte ich einen Tipp, wie wäre es mal wieder mit Dresden?

Wir waren erst gerade da, sogar für ein ganzes Wochenende.
Da Dresden aber nicht wirklich weit weg von Berlin liegt, kann man auch einen Tagesausflug machen. Manchmal braucht man für die 18 km von Grünau bis zum Alexanderplatz länger als die 180km bis nach Dresden.

Wir sind an einem Freitagnachmittag los. Verabredet waren wir mit unseren Kindern und als wir alle Feierabend hatten (mein Gott sind wir alt, wir haben Kinder, die schon erwachsen sind und arbeiten gehen), haben wir uns getroffen und haben uns aufgemacht Richtung Dresden.

Schon eine ganze Weile sind wir nicht mehr zu viert in den “Urlaub” gefahren, aber alles war wie früher. Wir haben gequatscht, Kekse gegessen, Musik gehört und unsere Tochter hat uns Löcher in den Bauch gefragt. Jetzt nicht mehr: “Was ist dies oder das?” und “Wann sind wir da? Wie weit ist es noch?” sondern Fahrschulfragen für Ihre Motorradprüfung. Also ich kann sagen, wir haben gar nicht mal so schlecht abgeschnitten. Und so vergingen die 2 Stunden Fahrt im Flug und schon standen wir mitten in Dresden.

Ich hatte uns ein Appartement gleich am Zwinger gebucht und als vorausschauende Mutter (die ich immer noch irgendwie bin) Plätze fürs Abendbrot in einem Burgerladen.
So brauchten wir nur unsere Sachen abstellen und uns dann auf den Weg durch die Altstadt machen.

Mein Herz hängt an Dresden, die Altstadt mit dem Zwinger, der Semperoper, der Hofkirche, den Brühlschen Terrassen, dem Fürstenzug in der Auguststraße und dem Schloss – ein Barocktraum, in dem ich zur Prinzessin werde.
Ich habe als Kind für 1 1/2 Jahre in Dresden gewohnt und oft habe ich mir damals vorgestellt, mit einem breiten Reifrock und fächerschwingend durch die Altstadt zu flanieren.

Damals sah Dresden noch etwas kaputter aus. Das Schloss war eine Ruine, nur die Fassade stand noch und durch die glaslosen Fenster konnte man auf die Trümmerberge schauen. Heute sieht es aus als wenn es nie zerstört war – für mich ein Wunder.
Anders ist das mit der Frauenkirche, die damals ein einziger Trümmerhaufen war und heute im weißen Sandstein leuchtet. Ihr sieht man, dass sie wieder aufgebaut wurde und der Schuttplatz aus meiner Kindheit ist mir heute fast ein wenig zu steril und zu touristisch.
Von hier ist es aber nicht weit zur St.-Petersburger-Straße, die ja an einigen Ecken immer noch DDR-Charme versprüht.

Wir schlendern also durch das abendliche Dresden und ich erzähle die eine oder andere Anekdote aus meiner Kindheit, als wir von Pfiffen und lauter Musik unterbrochen werden. An uns zieht eine Querdenker-Demo vorbei. Liebe Sachsen, da öffneten sich ja gleich alle Schubladen in unseren Köpfen und steckten Euch da rein. Leicht offen waren Sie schon von den vielen Dynamo-Dresden-Graffitis. Dabei seid Ihr so ein liebeswertes Volk (also außer der Dialekt, da kann man sich streiten). Die Jahre, die ich als Kind in Dresden verbracht habe, zählen zu meinen glücklichsten Kindheitserinnerungen und das liegt vor allem an der Herzlichkeit der Sachsen.

Nach einem sehr leckerem Abendbrot in der Burgerei, beschließen wir, noch eine Runde weiter zu spazieren und über die Augustusbrücke in Richtung Innere Neustadt und zum Goldenen Reiter zu laufen. Von der Brücke sieht man sehr schön das Bilderberg Bellevue Hotel Dresden. Den Grund meiner Kindheit in dieser Stadt. Meine Eltern haben beim Innenausbau des Hotels mitgewirkt und so zogen wir für eine Weile von Berlin hierher.
Die Hauptstraße, die sich an den Goldenen Reiter anschließt, sieht auch fast so aus wie früher, nur die Läden haben sich geändert. Hier kann man noch den Osten spüren.

Am nächsten Tag beschließen wir, zur Festung Königsstein zu fahren. Der Himmel ist blau und die Sonne scheint, als wir uns Richtung Elbsandsteingebirge aufmachen. Wir fahren extra den Weg an der Elbe lang, da wir uns denken, der hat bestimmt schöne Ausblicke. Um es kurz zu machen, dass kann man sich sparen und gleich den schnellen Weg über die Autobahn nehmen.

Nach den Funktionsbauten und den Industriegebieten auf unserem Weg ist der Blick zur Festung beim Ankommen aber besonders spektakulär. Mit einem Eis in der Hand beginnen wir den Aufstieg zur Burg und nehmen natürlich nicht den Aufzug. Wir machen dafür aber die eine oder andere “zu-Atem-kommen Pause”. Oben angekommen genießen wir den Ausblick und laufen einmal rundum. Wunderschön ist es hier – mehr gibt es nicht zu sagen.

Zum Kaffee sind wir wieder in Dresden und senken den Altersdurchschnitt im Café Coselpalais erheblich. Die Kuchen und Torten sind eine Wucht, das Publikum und Interior Mittelalter bis Spätgotik. Ich finde es toll (bin ja schon ein wenig älter) unser Sohn ziemlich piefig, vor allem den Kellern, der ihm zeigt, wie man das Besteck richtig hinlegt, wenn man fertig ist.

Danach versuchen wir durch die Prager Straße zu bummeln, doch die ist mächtig voll und so treibt es uns zurück in die Altstadt und von dort in die Äußere Neustadt in die Alaunstraße  zum Abendbrot. Wenn zwei Berliner Großstadt-Kinder (von denen eins in Mitte wohnt) sagen: “Ganz schön abgefuckt hier!” ,dann kann das ein großes Kompliment sein. Wir fühlen uns auf jeden Fall wie am Kotti (Kottbuser Tor) und da will man Nachts auch nicht allein unterwegs sein.
Für mich ist das völlig überraschend, hier zeigt sich mir ein ganz neues Dresden und ich finde es cool. Überall gibt es kleine, nette Restaurants, Spätis, die sich Konsum nennen und viel buntes Volk. Wir essen hier also gemütlich Abendbrot und spazieren zurück in unser Appartement.

Auf dem Heimweg am nächsten Tag halten wir noch an der Moritzburg an.
Die Idee haben an einem sonnigen Sonntag noch ein paar andere Leute. Zum Glück ist der Park an der Wasserburg etwas größer, so dass sich die Menschenmassen gut verteilen.
Der Blick zum Schloss übers Wasser ist wirklich märchenhaft und ich hole gleich zum Klugscheißen aus und frage die Kinder “Welche Prinzessin hat hier Ihren Schuh verloren?” Es folgt Desinteresse als ich sage: “Na das Aschenbrödel mit den drei Haselnüssen.” Manchmal frage ich mich ernsthaft, wer hier das Kind ist.

Am kleinen Fasanenschlösschen, dass im Wildpark von Moritzburg liegt, essen wir noch eine unglaublich leckere Stachelbeer-Baiser-Torte und versüßen uns so den Abschied von einem herrlichen Familienausflug in die sächsische Hauptstadt.

Das Lied zum Text kommt diesmal vom Dresdener Musikproduzenten und DJ “Purple Disco Machine” mit “Sophie and the Giants”  und heißt  “In The Dark”.  Damit tanzen wir uns zurück in die 90ziger.

Familienausflug

Noch ein paar Anmerkungen:

Vom  Berliner Hauptbahnhof braucht man nach Dresden 2 Stunden mit dem Zug und der Bahnhof ist fast in der Altstadt. Nur die Prager Straße runterlaufen, einen kurzen Schwenker zum Striezelmarkt machen und schon steht man in der Altstadt.

Wer nicht soviel laufen möchte, kann auch mit der Straßenbahn fahren, und, um die Gegend zu genießen, kann man sich auch eine Raddampferfahrt gönnen.

Sollte das Wetter nicht so gut sein, gibt es in Dresden wirklich schöne Museen; von den alten Meistern im Zwinger, über Schätze im Grünen Gewölbe, Autos im Verkehrsmuseum, das Erlebnis Mensch im Hygienemuseum bis zum Zuschauen beim Bau eines Autos in der gläsernen Fabrik ist alles mit dabei (und noch ganz viel mehr).

Wer ein paar Tipps für einen Ausflug braucht sollte mal bei 22Places  und/oder viel unterwegs vorbeischauen.

Und auch die Umgebung von Dresden ist eine Reise wert, ob Meißen, das Elbsandsteingebirge, die Burg Stolpen, die vielen Schlösser an der Elbe oder die Weinberge – alles wirklich schön.

Wer noch in alten Kalenderblättern schwelgen will, hier geht es zu den Blättern 2019, 2020, 2021 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  • Andrea

    Ach Sylke – bei so schönen Beschreibungen und Hinweisen kommen glatt auch absolute Kulturbanausen ins Grübeln 🙂 Und wenns mich dann mal packt, ist die Planung ja ganz einfach – man muss nur die schönen Reiseberichte nochmal lesen…

    Ich wünsche euch super schöne, sonnige und entspannte Osterfeiertage!!

    Andrea

    • Sylke

      Liebe Andrea, wie schön von Dir zu lesen.
      Ich wünsche Dir/ Euch auch ein kunterbuntes und vor allem erholsames Osterfest.
      Liebe Grüße zurück

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