Kalenderblätter

Kalenderblatt April – Rad fahren

Der Wind weht mir um die Nase. Die noch blattlosen Bäume am Wegesrand ziehen an mir vorbei. Die Sonne scheint mir auf den Rücken und wärmt ihn. Im Wald höre ich die Vögel zwitschern, die jetzt mit dem Nestbau beginnen.
Meine Füße treten gleichmäßig in die Pedalen. Ich sitze auf meinem Rad, rolle durch die Welt, bin bei mir, fühle mich frei und glücklich.

Ganz spontan kann es ab jetzt wieder losgehen. Ich muss mich nicht mehr dick einpellen, muss nicht mehr an den Schal, die Mütze, die Handschuhe und eine warme Hose denken. Nur die Regenjacke muss im April noch mit.    

Wenn ich dann auf meinem Rad sitze, bin ich ein Gleiter, ein Cruiser, ein Genießer. Für mich ist Radfahren keine Arbeit, keine körperliche Herausforderung, die ich bezwingen muss, kein über die Grenzen gehen, kein Strampeln und Abmühen. Ich lass mich lieber tragen und rollen mit einem Gefühl von Leichtigkeit.

Ich fahre unheimlich gerne Rad, am liebsten im Frühling und Herbst, bei lauer Luft und Sonnenschein. Aber das Leben ist nur manchmal ein Wunschkonzert und oft, wenn wir eine Radrunde planen, überrascht es uns mit einem Regenguss.
So zum Beispiel in den Sommerferien auf dem Gurkenradweg. 10 Tage sind wir mit unseren damals noch kleinen Kindern durch den Spreewald gefahren. An 8 Tagen davon hat es geregnet und trotzdem waren das ganz fabelhafte Ferientage. Wir waren so an den Regen gewöhnt, dass es uns – als die Sonne endlich mal schien – viel zu warm war. 

Oder als wir im letzten Sommer unsere kleine Runde zum Baden gedreht haben und ein Sommergewitter auf uns niederprasselte. Wir waren so durchnässt, dass wir die Klamotten gleich angelassen haben und schwimmen gegangen sind. Danach hatte ich vom Lachen tagelang Bauchmuskelkater.

Vom Frühling bis in den Spätherbst fahren wir in unserer näheren Umgebung fast täglich einmal mit dem Rad. Am liebsten am Wasser – bei uns dann die Dahme – oder an den Feldern in Waltersdorf entlang. Kaum sind wir im Wald, fällt auch schon der Stress von mir ab, denn hier muss man immer ein bisschen konzentriert und fokussiert bleiben. Die meisten Wurzel über die wir rumpeln, kenne ich schon aus meiner Kindheit, aber manchmal liegt auf einmal ein Baum quer vor mir oder eine Schlammpfütze bringt mich zum Rutschen ( und ja, ich habe mich da auch schon mal richtig reingepackt).  

Klar gibt es auch bei mir Momente, in denen das Herz rast und ich nach Luft japse. Berge und Hügel haben so eine Wirkung auf mich und auch Gegenwind. Wenn das Herzrasen zu doll wird, dann steig ich auch gerne ab und schieb mein Fahrrad, ob den Berg hinauf oder auch hinunter (wenn’s mir zu schnell wird). 
Bei uns in der Umgebung kommt das eher selten vor, sowas passiert mir dann im Urlaub oder wenn wir mal ein langes Wochenende auf dem Rad planen.

Für schöne Tagesausflüge oder zwei – dreitägige Touren in Berlin und Brandenburg nutzen wir gerne die Vorschläge vom Tagesspiegel. Damit haben wir mal ein sehr heißes Hochsommerwochenende um Potsdam und Werder verbracht, ´ne sehr schöne Runde um den Helenesee gedreht, sind von Jüterborg nach Hause gefahren und von Erkner aus durchs Spreetal zu uns.

An eine Strecke, an die ich mich besonders gerne erinnere, ist unsere Fahrt auf dem Berlin Mauerweg. Von der war ich so begeistert, dass ich hier gleich drüber schreiben musste.

Gerade in der jetzigen Zeit bedeutet Radfahren für mich Freiheit. Wenn mich der Coronablues überkommt, dann schnapp ich mir den Drahtesel und lass mir den Wind durch die Haare wehen. Umso mehr freue ich mich, dass ich das jetzt auch wieder ohne rote Nase und kalte Finger machen kann. 

 

Wir wünschen Euch ein schönes, frohes Osterwochenende und wie wärs mit einer Runde auf dem Rad nach dem Osterbrunch und Kaffee und Kuchen, auch wenn es gerade wieder etwas kälter ist.

Hier geht es zu den Kalenderblättern 2019 und 2020.

 

 

 

 

6 Kommentare

  • Christel

    Hallo liebe Sylke,
    Wie schön, dass Du die Zeit genießen kannst. Seit dem lockdown ist auch für mich die Tour mit dem Rad so das Einzigste, was mich frei fühlen lässt.
    Mein alter Drahtesel ist bereits 25 Jahre alt und ich mag mich nicht von ihm trennen, da ich darauf meine Kinder, damals noch Babys, alle damit spazieren gefahren habe. Bei meiner ersten geplanten Tour hatten die Reifen keine Luft mehr und die Pumpe ist verschwunden :(. Ich habe aber zum Glück in einem Edeka Laden Reifen, Schläuche und Pumpe gefunden und will den alten Esel heute neu bereifen, vermutlich Tagesaufgabe. Aber erst mal steht ein kleiner Einkauf an, Terrasse putzen ….und Eier färben…Rad fahren unter 20C geht leider nicht, dafür ist mein Eierkopf zu groß und bietet zuviel Angriffsfläche…Aber dann, wenn es warm ist, dann stürze ich mich auf das Rad, genieße die warme Luft und die Blumen. .
    Schöne Ostern
    Christel

    • Sylke

      Mensch Christel, Ostern soll doch ein bißchen Erholung bringen. Drum lass mal alle fünfe gerade sein, mal den Eiern mit einem Stift eine Blume rauf, putzen kannste auch später und das Fahrrad reparieste wenn das Wetter wärmer ist – also rauf auf die Couch, von den Söhnen bedienen lassen und ausruhen. Liebe Grüße Sylke

  • Christine

    Liebe Sylke,

    gar nicht mehr dran gedacht, kam heute per E-Mail der Hinweis auf dein neues Kalenderblatt.
    Da habe ich mich sehr gefreut! Vor Ostern noch von dir zu hören, und dann über ein so schönes Thema wie das Radfahren. Wie hast du mir wieder aus der Seele geschrieben….

    Und ich kann – noch vor Ostern – die Gelegenheit wahrnehmen, dir und deinen Lieben auch ein friedvolles, glücklches Osterfest zu wünschen!

    Lasst es euch gut gehen und passt weiter gut auf euch auf!

    Christine

  • Christian

    Liebe Sylke!
    Du sprichst mir aus der Seele 🙂 Auch wir haben die beiden warmen Tage letzte Woche genutzt und sind Teile des Mauerradwegs geradelt, diesmal mit der heißgeliebten Gazelle. Immer wieder schön und Entspannung pur!
    Macht Euch weiterhin schöne Ostern und liebe Grüße
    Christian

    • Sylke

      Hallo Christian,
      ach die Gazelle…was habe ich mein Eisenschwein geliebt.
      Kaum schreibe ich das man jetzt nicht mehr dick eingemummelt Rad fahren braucht, wird es wieder eisig kalt. Egal, wir fahren trotzdem und machen uns warme, schöne Gedanken.
      Ich hoffe wir können uns dieses Jahr mal wieder sehen und über unsere Radtouren quatschen.
      Liebe Grüße

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