Kalenderblätter,  Reisen

Juni 2022 – Parkspaziergang

Obwohl wir am grünen Rand von Berlin leben, zieht es uns immer mal wieder in einen der über 2500 Parks und Gärten unserer Muddastadt.
Gerade im Juni – kurz bevor der heiße Sommer die Stadt unerträglich macht, die Nächte lang sind und die Berliner noch spätfrühlingslaunig gut drauf – lässt ein Parkspaziergang das Herz hüpfen und die abgestumpfte Liebe zu Berlin neu erblühen.
Lasst uns ein paar Kilometer durch die grünste Hauptstadt Europas laufen, neue Ecken entdecken, Leute beobachten, den Vögeln zuhören, vielleicht einem Großstadtfuchs begegnen, die Stadtausblicke genießen und zur Belohnung ein Eis schlecken (oder auch zwei).

Henrik hatte vor über einem Jahr die Idee, alle Parks Berlins in den nächsten Jahren zu besuchen. Nachdem wir dann die schier unglaubliche Zahl von 2500 Parks und Gärten in Berlin gelesen haben, waren wir erstmal völlig perplex und machten uns gleich mal auf den Weg, damit wir das in unserem Leben noch schaffen.

An einem sonnigen Tag starten wir einen der Parkspaziergänge an den Yorckbrücken. Für uns eigentlich eine Gegend, an der man mit dem Auto schnell vorbeifährt. Doch heute reisen wir mit der S-Bahn an, laufen die Treppen in den Park hoch und sind erstaunt, wie grün es hier ist.
Zuerst laufen wir in den “Park im Flaschenhals”. Hier werden die alten Bahntrassen von der Natur überwuchert. Überall findet man Teile der alten Bahnanlage.
Klar, dass von den ehemals 45 Bahnbrücken und allem was dazugehörte noch viel übrig ist. Doch die Natur holt sich langsam alles zurück und ich finde es wirklich schön, dass man sie hier machen und wachsen lässt.
Ein wenig fühlen wir uns wie Entdecker, als wir hier eine Weiche finden und dort eine Schwelle (Sachen, die hier von den Großstädtern alle paar Minuten neu entdeckt werden).
Auf einer Schaukel lassen wir unsere inneren Kinder von der Leine und schaukeln erstmal. Wobei ich mal wieder merke, dass ich schaukelentwöhnt bin. Länger als 3 Minuten geht das nicht mehr, dann wird mir schwindlig.

Schaukel

Zurück geht es über eine der Yorckbrücken in den Park am Gleisdreieck. Eine unglaublich grüne und ruhige Oase mitten in der Großstadt. Auch hier erinnert noch viel an die großen Bahnanlagen von anno dazumal, ob am Stellwerk oder dem Museumsgleis oder am Gleiswagen. Langsam spazieren wir weiter Richtung Sportgleis. Ab und zu bleiben wir stehen und lesen uns die Schautafeln durch.

Kurz hinter der Milchladerampe kann man in den Park des Deutschen Technikmuseums schauen und sieht eine Mühle. Ich bin gleich ganz aufgeregt und sage: “Das ist bestimmt – unsere – die Bohnsdorfer Mühle.” Nee, das ist sie nicht. Es ist die Holländer Mühle, die man von hier aus sieht. Ein kleines Stück dahinter steht dann die Bohnsdorfer Mühle, aber leider für uns nicht sichtbar.
Die Mühle wurde von der DDR gegen Devisen an das Deutsche Technikmuseum verkauft und das ist ja irgendwie auch ein Glück. So ist sie erhalten geblieben und wir Bohnsdorfer müssen uns nur in die S-Bahn setzen, um ein Stück Zeit- und Dorfgeschichte zu besuchen.

Windmühle

Am Sportgleis bin ich dann im siebten Himmel – ich kann Leute beobachten.
Skater, die sich todesmutig in die Halfpipe stürzen, Jugendliche, die Basketball spielen und Ältere, die sich am Kiosk am Poststellwerk einen Kaffee geholt haben und hier quatschend zusammensitzen. Wir haben noch keinen Kaffeedurst (für uns etwas ungewöhnlich) und laufen weiter.

Am Gleisdreieck überkommt uns dann doch die Lust auf ein Stück Kuchen und einen Tee/Kaffee. Vor allem, weil man im Jules-Café im B-Part über einen großen Teil des Parks schauen kann und weil Touristen und Berliner hier zusammen sitzen.
Henrik erzählt mir irgendetwas und ich kann nicht zuhören, weil ich die Besitzers des Dackels ausmachen muss, der wie wild durch die Strand- und Sitztribünen rennt, dem mittelalten Mann zusehe, der im Park Dancemoves ausprobiert, die Leute im Sportpark beim Boxtraining beobachte, die Trennung am Nachbartisch mental begleite…. Ich habe wirklich viel zu tun. Doch nach 1 1/2 Stunden ist mein Spannerhirn voll und wir können weiterlaufen.

Hinter der Brücke des Gleisdreiecks sind es nur noch ein paar Schritte bis zum Ende des Parks. Doch von hier kann man auf die Stadtsilhouette schauen und diese zieht uns weiter durch die nächsten Grünflächen. So laufen wir durch den Tilla-Durieux-Park am Potsdamer Platz und über den Henriette-Herz-Park zum Tiergarten weiter. Diesen queren wir und schon sind wir am Platz der Republik. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Hauptbahnhof. Nur noch durch den Spreebogenpark und über den Washingtonplatz und dann bringt uns die S-Bahn wieder nach Hause. Wir haben an diesen Tag 6 Parks geschafft, bleiben nur noch 2494.

Noch ein paar Anmerkungen:

Wir sind an diesem Tag 6,3 km gelaufen. Also ein schöner entspannter Spaziergang, auf dem es viel zusehen gibt, ab und zu ein Café oder Bistro und /oder ein Eiskiosk auf einen wartet.

Unter Grün Berlin findet Ihr alle Infos zum Park am Gleisdreieck sowie einen Übersichtsplan.

Man kann den Spaziergang mit einem Bummel durchs Regierungsviertel verbinden oder am Potsdamer Platz zur Friedrichstraße abbiegen oder noch eine große Runde durch den Tiergarten drehen.

Wir haben uns schon viele Parks im In- und Ausland erlaufen. Bestimmt liegt der nächste gleich vor Deiner Tür, also raus mit Dir. Selbst, wenn es nur die Grünfläche am Dorfteich ist, vielleicht entdeckst Du ja doch noch etwas Neues oder machst ein Picknick mit Freunden.

Das Lied zum Text kommt von Empire of the sun “Walking on a dream”.

Und hier noch die Juni-Kalenderblätter aus den Jahren 2019, 2020, 2021.

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  • Christel

    Liebe Sylke,
    Es ist lange her, dass ich Dir schrieb. Aber ich “verfolge” Deine Kommentare immer.
    Sie erinnern mich an ein Leben wie aus Kindheitstagen oder einer anderen Zeit.
    Viel zu sehr bin ich damit beschäftigt die aktuellen Welterignisse zu verfolgen, während mein Garten zu verdorren scheint.
    Danke, dass Du mich immer wieder zurückholst.
    Seid wie die Kinder, denn Ihnen gehört das Himmelreich. Liebe Sylke, es warten noch eine Menge Parks und Gärten auf Dich und ich freue mich auf Deine Berichte.
    Liebe Grüße
    Christel

    • Sylke

      Liebe Christel,
      schön wieder von Dir zu lesen. Ich kann Dich gut verstehen, die Welt scheint noch verrückter geworden zu sein. Überall nur schreckliche oder verwirrende Nachrichten, die mich auch oft verunsichern und ängstlich machen. Doch dann schaue ich auf MEIN “Hier und Jetzt” und mir geht es gut. Die Kinder sind gesund, Henrik steht an meiner Seite, wir leiden keinen Hunger, um uns herum fliegen keine Bomben – ja, mir geht es gut. Also kümmere ich mich um die Dinge, die ich wirklich beeinflussen kann und versuche mich von dem Nachrichtenchaos nicht erschlagen zu lassen und mein Leben (ich habe ja nur das eine) richtig zu genießen.
      Ganz liebe Grüße zurück und hoffentlich findest Du die Leichtigkeit wieder.

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