Deutschland – Begegnungen am Wasser Teil 1

Sonnenuntergang an der Talsperre Kelbra

#47 Deutschland – Begegnungen am Wasser Teil 1
Lied zum Text: Deluxe Music “Kaltes, klares Wasser”

Rotgold scheint uns die Abendsonne ins Gesicht und verwandelt das Wasser der Talsperre Kelbra am Kyffhäuser in einen riesigen Goldtopf. Wir sitzen am Ufer mit den Beinen im Nass. Es ist der letzte Tag unserer Deutschlandtour.
Ein wenig Melancholie stellt sich ein, so eine schöne Melancholie. Die, in der Dichter die besten Gedichte verfassen und Liedermacher am Besten schmachten. Wir schauen auf die letzten vier Wochen zurück und unsere Begegnungen mit, im und am Wasser.

Sollte ich Deutschland in Farben malen, würden diese so aussehen: Schwarz – für die vielen Straßen, Rot – für die Häuserdächer in unseren Dörfern und Städten, Gold – für die Felder im Sommer. Doch es kommen noch zwei Farben dazu: Grün – für die Wälder und Wiesen und dann Blau – für den wunderbaren Himmel und das Wasser in den Flüssen, Bächen, Seen, Teichen und den Meeren.

Ich liebe Wasser! Da diese Liebe zu dem flüssigen Element sehr groß ist, ist auch die erste Geschichte über unsere Deutschlandreise dem Wasser gewidmet.

Der Beginn einer Reise

Unser erster Tag beginnt im Spreewald. Das Monster muss zur Inspektion und in Calau sitzt die Firma, die es auf Herz und Nieren prüft. Es ist Ende Mai und bereits mächtig heiß. Noch wissen wir nicht, dass der endlose Sommer seinen Anfang genommen hat. Wir machen den Einkauf für die Tour, gehen in Calau Eis essen und überlegen, was wir nach der Inspektion machen wollen.
Am liebsten in einen See springen und den Tag ganz ruhig ausklingen lassen. Vier Wochen liegen vor uns wie ein weißes, leeres Blatt. So viel Zeit, da können wir ganz in Ruhe starten.
Als wir das Monster abholen (es hat die Prüfung mit 1 bestanden „ braves Monster“) fahren wir nur noch 20km weiter an den Gräbendorfer See. Hier gibt es einen Campingplatz direkt am See.
Der Gräbendorfer See ist einer der vielen ehemaligen Tagebaue der Lausitzer Region. Unter Wasser soll ein versunkener Wald liegen, den wir nicht ertauchen wollen. Dafür hören wir die Möwen, die auf der Naturschutzinsel im Ostufer des Sees nisten.
Kaum haben wir das Monster abgestellt, springen wir auch schon ins kühle Nass. Ein herrlicher, langer Nachmittag liegt vor uns. Er besteht aus reinem Sommervergnügen, Baden, von der Sonne wieder trocknen lassen, Segler beobachten, über die badenden Kinder und Hunde lachen und den Möwen zuhören. Besser kann eine Reise kaum starten. Ein i-Tüpfelchen kommt am nächsten Morgen oben drauf.
Gibt es was Schöneres, als am Morgen in einem klaren See zu baden? Die Welt ist noch ganz still, der See eine polierte Spiegelscheibe und wir machen die einzigen Wellen. Nein, nichts ist besser, als so ein Start in den Tag.

Gewitter im Wörlitzer Park

Am Abend stehen wir wieder an einem See im Wörlitzer Park. Über uns haben sich dicke, fette Gewitterwolken aufgestapelt. Das Licht ist dadurch phänomenal. Der Park, den wir so spät, mehr oder weniger für uns alleine haben, ist verzaubert. Verzaubert vom Licht, von der Stimmung, von den Ideen der Gartenbesessenen, die ihn angelegt haben und natürlich vom Wasser, in dem der Park gespiegelt Kopf steht.
Als wir am Wohnwagen nach 5 km Parkerkundung ankommen, beginnt das Gewitter. Schwere, große Tropfen klatschen aufs Dach. Der Parkplatz dampft, als die Tropfen auf den Asphalt treffen. Wir sind in einer Dampfküche gelandet. Die Luft kühlt sich ab und wir freuen uns auf eine nach Regen riechende Nacht.

Am Steinhuder Meer

Unser Weg führt uns weiter nach Hildesheim. Mitten in der Stadt gibt es eine Wildwasseranlage. Wir bleiben eine Weile dort stehen und schauen den Kanuten beim durchfahren zu. Das scheint nicht so einfach zu sein. Jedenfalls atmen die jungen Leute schwer.
Inspiriert von der Abkühlung suchen wir uns den nächsten Campingplatz direkt am Wasser aus. So stellen wir unser Monster am späten Nachmittag am Steinhuder Meer ab. Bevor wir irgendetwas anderes machen, schmeißen wir uns in die Badesachen, schnappen uns das Handtuch, laufen ein Stück durch den Wald und schon liegt es vor uns – das “Meer”. Der See ist 8 km lang und 4,5 km breit, also schon ein ordentliches Gewässer. Er ist im Durchschnitt aber nur 1,35 m tief. Mit einem Kopfsprung sollte man nicht starten und so laufen wir ins Wasser und laufen und laufen … Damit erinnert er mich stark an meine Kindheitsferien am Balaton. Durch die geringe Tiefe ist der See bereits Ende Mai richtig warm. Irgendwann lassen wir das Laufen sein und setzen uns einfach ins Wasser. Die Abendsonne taucht die Umgebung in einen wunderschönen Rosaton, um uns herum schwimmen lauter kleine Fische, über uns sind Schwalben auf der Jagd nach Insekten – was für eine Idylle. Wir haben bis heute nicht gewusst, dass es so einen wasserreichen, idyllischen Ort im Nordwesten der Republik gibt.

Ein Bad in der Weser

Der nächste Tag beginnt wieder heiß und wir ihn mit einem Morgenbad im Steinhuder Meer. Dann geht’s über Stadthagen weiter nach Minden. Hier schlängelt sich die Weser durch die Landschaft. Unser Campingplatz am Abend liegt direkt an einem Seitenarm der Weser und natürlich gehen wir hier baden. Diesmal bleiben wir zwei Tage. Wir müssen uns von unserem „Wandertag“ erholen, mehr aus Versehen sind wir 17 km gelaufen und das bei 30°C. Dazu mehr in einem der nächsten Berichte.
Gegenüber von unserem Campingplatz, also auf der anderen Seite der Weser, liegt Bad Oeynhausen. Wir kennen den Ort nur als „hässlichen“ Durchfahrtsort auf dem Weg in die Niederlande. Doch in Bad Oeynhausen gibt es einen großen Kurpark und die größte Thermalsolequelle der Welt. Ein Geysir ähnlicher Springbrunnen steht heute dort, wo die Quelle eigentlich raussprudelt, um so das kostbare Solewasser nicht unnötig zu verbrauchen. Bei unserem Stadtrundgang begleitet uns auch im wieder der Regen. Man hört die Pflanzen im Park fast dankbar jauchzen für das Nass von oben.
Am Ende des Tages schmeißen wir uns nochmal in die Weser.

Auf unserer Reise gehen wir noch in einigen anderen Flüssen und Seen baden oder lassen wenigstens unsere Füße kühlen.
Begegnet mit uns den anderen Gewässern im zweiten Teil der Geschichte.

 

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