Venedig – Wenn die Gondeln…im Stau stehen

#08 Venedig – Wenn die Gondeln…im Stau stehen
Lied zum Text: Die Ärzte “Himmelblau” 

Unsere erste italienische Station soll Venedig sein. Ich stelle mir eine alte, dreckige Stadt im Dunst von abgestandenen Wasser mit vielen, vielen Menschen und Tauben vor. Irgendwie ein bisschen grusselig und düster. Doch Venedig wird uns überraschen.

Die Anfahrt von Villach über die Dolomiten ist in den Bergen noch ein Traum, dann wird es etwas langweilig. Eine ganz ebene Fläche liegt vor uns. Die Autobahn führt schnurgerade hindurch. Wir lassen uns ein wenig einlulleln und hören dem italienischen Gequatsche aus dem Radio zu und hoffen auf Abwechslung. Die kommt, kaum das uns das Navi von der Autobahn runterschickt. Es wird eng, verdammt eng. Wir haben das Gefühl, unser Monster ist etwas zu breit für die Straße. Auf beiden Seiten fällt die Böschung 1m in einen Graben und als uns dann auch noch ein Bus entgegenkommt, mache ich einfach die Augen zu. Keine Ahnung, was Henrik gemacht hat (Anmerk. Henrik: blitzschnell die Spiegel angeklappt), aber wir sind unbeschadet durchgekommen.

Dann wird die Straße wieder breiter und wir fahren nach Punta Sabbioni. Hier haben wir uns unseren nächsten Campingplatz rausgesucht. Im Moment ist es nicht so einfach, einen offenen Platz zu finden. Wir fahren an unzähligen Campingplätzen vorbei, fast alle noch geschlossen. In der Saison muss hier richtig viel los sein. Fast an der Fähre nach Venedig liegt unser kleiner aber feiner  Campingplatz. Hier werden wir die nächsten 4 Tage bleiben.

Delfine im Golf von Venedig

Bunker bei Punta Sabbioni

 

 

 

Aussicht auf Venedig in der Nähe unseres Campingplatzes

Als wir ankommen, scheint die Sonne und das erste, was wir in der Ferne sehen, ist Venedig. Der Markusdom grüßt uns aus der Ferne.

Nach Abstellen und Kaffee trinken, machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum 2km entfernten Strand. Wir laufen die ganze Zeit an einem hohen Zaun vorbei. Dieser gehört zur Hochwasserschutzanlage Mose. Diese soll verhindern, dass Venedig überflutet wird. Früher stand der Markusplatz wohl an 100 Tagen im Jahr unter Wasser. Besonders hübsch sind die Anlage und damit auch unser Fußweg nicht. Doch dann öffnet sich der Blick in den sonnengetränkten Golf von Venedig und dann sehen wir Delfine. Kann man an einem Ort besser und kitschiger begrüßt werden? Wir laufen am Strand lang und diesmal durch die Siedlung zurück. Der Weg ist viel netter, aber auch hier gibt es eine Überraschung. Überall stehen alte Bunker. Wir haben versucht rauszubekommen, von wann diese sind. Doch leider gab es keine genauen Infos im Internet.

Wir schlafen gut in dieser Nacht und am nächsten Morgen geht es mit der Fähre nach Venedig.

Die Sonne scheint, das Wasser glitzert, es weht ein kühler Wind, die Luft riecht nach Meer und ich bin ein wenig aufgeregt. Eine halbe Stunde dauert die Fahrt und stimmt einen auf diese Wasserstadt ein. Es sieht aus der Ferne gar nicht so voll aus wie vermutet und die Stadt glänzt im Sonnenlicht. Gleich am Fähranleger sind noch relativ viele Menschen, doch das verläuft sich schnell. Selbst auf dem Markusplatz bekommt man keine Panikattacke, sondern kann den Touristen aus dem Weg gehen.

Gleich ein paar Straßenzüge weiter ist es fast menschenleer und wunderschön. Ich habe mich etwas in diese Stadt verliebt. Wir lassen uns durch die Gassen treiben, versuchen den besonderen Flair aufzunehmen. Immer wieder setzen wir uns an einen der Kanäle (die sogar recht klar sind) und lassen das Leben an uns vorbeiziehen. Wir sehen den Möwen zu, die sich auf dem Markt um die Fischabfälle streiten. Bewundern die Gondolieri, die ihre Boote im großen Getümmel auf dem Canale Grande selbstbewusst steuern. Lauschen den wirklich guten Straßenmusikern und trinken dabei Cappuccino in einem kleinen Café. Wir fahren mit der Vaporetto Linie 1 über den Canale Grande und denken: Als Bootsführer in Venedig muss man Nerven aus Edelstahl haben.

Unser Venedig ist sonnig, freundlich, quirlig und einfach wunderschön. Es hat uns einen ganz besonderen Tag geschenkt, etwas, das man lange in seinem Herzen trägt.

Am Abend sitzen wir wieder auf der Fähre und sehen, wie die rote Abendsonne hinter Venedig untergeht – schöner geht’s nicht.  Seufz…

 

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5 commentaires sur “Venedig – Wenn die Gondeln…im Stau stehen

  1. Hi Ihr zwei,
    wenn ich die Berichte so lese, dann habe ich wohl was falsch gemacht….
    Vielleicht hätte ich ab Oktober auch ne Auszeit nehmen sollen und nicht gleich die nächste Arbeit starten….
    Tja, zu spät. Beneide Euch und finde die Berichte Klasse !
    Andi

  2. Liebe Sylke und lieber Henrik,
    Es ist toll an eure Reise teilnehmen zu dürfen.
    Weiterhin eine schöne Reise, genießt die tolle Zeit und passt gut auf euch auf.
    Lg Gabi

  3. Ich kenne Venedig auch in strömendem Regen…und habe mich trotzdem verliebt! Schön, dass es Dir auch so geht. Da ist einfach eine besondere Magie. Einer meiner offenen Wünsche: Den Karneval in Venedig erleben!

  4. sieht wunderschöön aus. Das bringt ein Lächeln in den trüben Alltag und dem regnerischen Wetter in Berlin.
    Lg Manu

  5. Hallo Ihr Lieben!
    Mir ging es mit Venedig ähnlich. Ich hatte außer Touristenmassen nicht allzu viel erwartet und war dann völlig verzaubert 🙂
    Schön, dass wir an Eurer Reise teilhaben dürfen!
    Macht Euch schöne Ostertage, liebe Grüße
    Christian

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