Adria-Kreuzfahrt

#09 Adria-Kreuzfahrt
Lied zum Text: Miss Platnum “Reise”

Wir sind auf dem Weg, uns alte Kulturschätze, einen Strand der Träume, schnelle Autos, die älteste Republik der Welt und „La Grassa“ (die Fette) anzusehen.

Von Venedig fahren wir durchs Podelta Richtung Ravenna. Italien ist hier flach, wirklich flach (fast wie Holland) und widerspricht unserer Erwartung ans sanft, hügelige Italien völlig. Gemütlich und ein wenig langweilig zuckeln wir dahin. Unser Campingplatz ist 14 km nördlich von Ravenna, fast am Strand und bei Italienern scheinbar sehr beliebt. Wir fühlen uns hier wohl und die Gegend hat viel zu bieten, also bleiben wir 7 Tage.

Als erstes ist Ravenna dran. Wir sind schnell da, finden sofort einen Parkplatz, aber dann die Altstadt nicht. Henrik fragt also bei Miriam aus dem Wollgeschäft nach. Eine sehr nette, italienische Mittfünfzigerin. Sie erzählt ganz viel auf Italienisch. Das hört sich schön an, doch wir verstehen fast nix. Zum Glück benutzt sie beim Reden (wie jeder Italiener) ausdrucksstark ihre Hände und Dank derer ist alles klar. „Immer geradeaus, durch ein Stadttor, 3 Straßen kreuzen, dann durch eine enge Gasse und schon sind wir am Piazza Popolo“, sagen Ihre Hände und ihr Mund wahrscheinlich auch. Kaum angekommen, gehen wir zuerst zu Dante Alighieris Grab. Wer nicht weiß, wer das ist, kann ja mal das Buch „Inferno“ von Dan Brown lesen oder den gleichnamigen Film ansehen. Da kommt er ziemlich oft vor.

Wir laufen durch die Altstadt und mit uns Horden italienischer Schulklassen. In einem kleinen blumen- und bilderbehangenen Innenhof machen wir ein Päuschen und essen Eis. Dann geht’s in das Mausoleum der Galla Placidia, die hier nicht liegt, aber der Nachwelt ein unglaubliches Kunstwerk hinterlassen hat. Von außen ist das Bauwerk ziemlich unscheinbar, doch im Inneren ein einziges, riesiges Mosaik aus ganz vielen kleinen  Steinchen.

Das wäre für mich Folter gewesen. Zum Teil über Kopf (auch die Decke ist Inhalt des Mosaikes) Millionen kleine Steinchen zu einem Bild zu legen. Respekt an die Leute vor 1500 Jahren und ihrer Geduld.

In der Basilika daneben, das gleiche Bild. Auch hier ein riesiges Mosaik, sowie auch noch in anderen Kirchen in und um Ravenna. Die Farben der Mosaiksteinchen leuchten, als ob sie erst gestern fertig gestellt wurden. Manche Muster sehen absolut modern aus. Andere sind so romantisch, dass selbst uns Unromantikern das Herz aufgeht. 4 Stunden schauen wir uns diese Wunderwerke an und sind nachher über die Einfachheit unseres Monsters etwas enttäuscht.

Wir haben Traumwetter, immer um die 22°C und Dauersonne. Also beschließen wir, uns das Traumziel der Deutschen aus den sechziger Jahren anzusehen –Rimini. Der Strand ist 15 km lang und leer, richtig leer. Nichts zusehen von Liegen und gestreiften Sonnenschirmen. Als Ostseeverwöhnte finden wir den Sand und das Meer nur mittelmäßig und die Vielzahl der Hotelburgen deutet für uns darauf hin, dass wir in der Saison hier nicht sein wollen. Mir fällt da gleich ein Lied von Deichkind ein: „Hauptsache nichts mit Menschen“. Im Moment jedoch haben wir den Strand für uns allein und tanken Sonne. Von Rimini fahren wir am Nachmittag über eine kleine Straße mit einem herrlichen Panorama in die älteste Republik der Welt „ San Marino“. Hier sieht Italien aus, wie aus einem Fotobuch. Hinter uns das Meer, vor uns die sanften Hügel und dann der Monte Titano auf und an dem San Marino liegt. Von der Altstadt hat man einen sagenhaften Ausblick über die Landschaft. Wir genießen diesen im weichen Licht der goldenen Nachmittagssonne. Wenn man sich die Taschen-, Brillen- und Waffenläden wegdenkt, fühlt man sich hier wie auf einer Zeitreise in ein wirklich schönes Mittelalter. Fast ganz oben auf dem Monte Titano essen wir eine Pizza und genießen La Dolce Vita.

An unserem 1. Tag, an dem es regnen soll, fahren wir nach Maranello, schnelle Autos anschauen. Wir fahren an Imola vorbei und Richtung Modena, für Autofans, die Inbegriffe für schöne und rasante Autos. Gleich, wenn man in Maranello reinfährt, begrüßt einen das aufsteigende Pferd und die Ferrariwerke liegen vor einem. Maranello selbst ist etwas unscheinbar und auch die Straßen jetzt nicht renntauglich aus unserer deutschen Sicht. Natürlich begegnen uns gleich mehrere Ferraris auf unserem Weg zum Museum – was für ein Klischee, denken wir.

Das Museum selbst ist aus unserer Sicht etwas klein, aber wirklich gut aufgemacht. Hier stehen die Original-Formel 1 Gewinnerwagen und viele interessante Sondermodelle und andere Ferrari-Rennwagen. Ist schon Kunst, was die da bauen. Ich selber würde wahrscheinlich nur schwer in so einen Wagen reinkommen und müsste von der Feuerwehr und einem Kran wieder rausgeholt werden, so tief und eng sind die Autos.

Als wir rauskommen, entdecken wir, warum hier so viele Ferraris fahren. Man kann sich diese ausborgen und damit durch Maranello fahren (für 10 min ab 100 € je nach Modell).

Wir beschließen, nach Bologna (La Grassa) zu fahren, die Genießerstadt Italiens. Die Fahrt führt auf einer fast leeren Landstraße an schönen Aussichten vorbei. Der Himmel über uns ist wolkengeschwängert und sieht richtig dramatisch aus. Allerdings regnet es noch nicht, das wird erst am Abend mit richtigem Gewitter kommen.

Bologna ist nicht unsere Stadt. Entweder waren wir nicht in Stimmung für diese Stadt oder wir passen einfach nicht zusammen. Obwohl sie 40km Arkaden, Baudenkmäler und schöne Kirchen zu bieten hat, fühlen wir uns hier nicht wohl. Nach einem kalten Latte, einem ekligem grünen Tee und einem zähen Brioche und das in der Stadt des Essens, verschwinden wir nach 2h enttäuscht wieder. Auch das gehört zum Reisen und Entdecken dazu.

Dafür entdecken wir am nächsten Tag in einem langen Spaziergang die Natur um unseren Zeltplatz. Auf unserem Zeltplatz ist es nämlich auf einmal laut geworden. Die Italiener feiern hier ihr Osterfest, da haben wir viel zum Zuschauen und nachher die Natur für uns ganz allein – wunderschön.

Wir beide wissen, dieser Teil der Adriaküste wird nicht unsere beliebteste Urlaubsregion, da haben wir schon schönere Gegenden gesehen. Doch wir werden immer wieder gerne an die Zeit hier zurückdenken. Ans Meeresrauschen, an den Vogel der die ganze Nacht durchschreit, an die netten Italiener, an die Sonne, die schönen Ausblicke und großen Kunstwerke, die Fischhütten mit ihren Netzen und die meditative Ruhe in der Natur.

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4 commentaires sur “Adria-Kreuzfahrt

  1. Hi,
    ein toller Artikel, schöne Auto`s und ein Blick in 2 glückliche und entspannte Gesichter 🙂
    Also, alles richtig gemacht und weiter so !
    Ich wäre bestimmt etwas länger in Maranello geblieben…………
    Viel Spaß weiterhin
    Andi

  2. Ihr lieben Entdecker, Abenteurer, Genießer und sehr glücklichen und teilweise auch unerschrockenen Freunde
    Ich muss mich jetzt auch mal zu Wort melden und danke sagen für sooo tolle Bilder und so lebendige Berichte, die mich hier daheim berühren und euer Abenteuer richtig mit erleben lassen ☺️ Am liebsten würde ich sofort los und euren Spuren heimlich folgen ….
    Sylke, wann schreibst du nur die Texte ? Ich dachte, mittlerweile schlaft ihr nachts gut und durch im Monster ?!
    Fühlt euch dolle gedrückt und genießt weiterhin die Leichtigkeit des Seins – für uns ein bisschen mit….
    Küsschen von Tina

  3. Hallo,
    ich könnte glatt neidisch werden 8 lange Monate ist unser Italienurlaub schon her.
    Genießt es (aber das macht Ihr bestimmt auch ohne Aufforderung) und kommt gesund durch Eure Auszeit!
    Freue mich schon auf die nächsten Berichte, vor allem die aus Skandinavien
    Christoph

  4. Hallo Ihr Zwei, wieder einmal ein toller Bericht und ich verfolge Euch in Gedanken. Wie weit wollt Ihr runter fahren in Italien. Peter und ich waren bei einer Adria Kreuzfahrt in Bari und haben uns dort die Trulli Häuser angesehen, sehr interessant. Wir warten schon gespannt auf Euer nächstes Abenteuer. Viele liebe Grüße und weiterhin gute Fahrt wünschen Euch Evi und Peter

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