Island – Ein Tagebuch (Teil 2)

Island – Eisland

#39 Island – Ein Tagebuch (Teil 2)
Lied zum Text: Official Opening Credits: Game of Thrones (HBO) (viele Szenen der Serie wurden in Island gedreht)

Weiter geht es mit unserem Bericht über Island.
Wir sehen einige der Naturwunder der Insel und gehen mit den Einheimischen baden.
Und dann ist da noch die Frage: Werden wir auch noch die Nordlichter sehen ?
Na dann kommt mal weiter mit.

Tag 3 – den Golden Circle entlang

Nach einer lauten Nacht, die Isländer und die Touristen sind echte Partygänger und wir wohnen mitten in der Partymeile, werden wir, noch etwas verschlafen, von einem hellen Himmel geweckt. Die Sonne ist noch nicht zu sehen, aber es klart auf. Wir holen uns einen Mitwagen und machen uns auf, den Golden Circle zu erkunden.
Wenn man, wie wir, nur wenig Zeit hat und Island ein wenig begreifen will, sollte man diese Strecke fahren. Auch wenn an allen Attraktionen viele Touristen sind.

Bei gutem Wetter in Island Auto zu fahren ist einfach, wenig Verkehr und die Hauptverkehrsadern sind gut ausgebaut. Man sollte aber auf den Wetterbericht achten und vorher wohl immer die Verkehrslage checken. Durch die ganzjährigen Wetterkapriolen können Straßen schon mal gesperrt, verschüttet und plötzlich weggespült werden.
Kaum sind wir aus dem Großraum Reykjavik raus, sind wir allein unterwegs.
In Island gibt es sehr wenige Bäume, darum behindert auch keiner davon die Weitsicht auf eine karge und doch wilde Natur. Am Wegesrand stehen überall Island-Pferde. Den Hintern in den Wind gedreht, strotzen sie dem Wetter.
Wir lassen uns ein bisschen einlullen von der schlichten Aussicht. Fast alles erinnert uns an die Hochebenen im Norden Norwegens.
Dann öffnet sich der Blick in ein Tal und wir denken, wir schweben im Himmel. Der Pingvallavatn (einer der größten Seen Islands) liegt vor uns im Dunst. Völlig unwirklich ist die Stimmung, ein Bild in Grau- und Weißtönen. Auf dem See schwimmen Eisschollen, Nebel steigt aus ihm hoch und vermischt sich mit den Wolken. Auf einmal hüllt uns der Nebel ein, wir können keine 10 Meter mehr weit sehen und nach 5 Minuten ist der Spuk vorbei. Das ist Island.

Ein paar Kilometer weiter halten wir an einem der wichtigsten isländischen Orte – dem Pingvellir/Thingvellir. Island ist eine der ältesten Demokratien der Welt und das Parlament tagte hier zweimal im Jahr seit 930. Im Juni 1944 wurde hier auch die Republik ausgerufen. Das ist geschichtlich wirklich sehr interessant. Noch interessanter finde ich, dass wir im Grabenbruch der Amerikanischen und Eurasischen Platte stehen. Auch durch die vielen Touristen wirkt es eher wie eine große Filmkulisse, aber es ist echt. Neben uns erhebt sich eine Steinwand und diesmal unkt Henrik die ganze Zeit rum: “Stell dir mal vor, jetzt gibt es ein Erdbeben, dann fallen die ganzen Brocken auf uns runter.”, “Stell dir mal vor, jetzt öffnet sich die Erde und treibt auseinander.” Ich denk so: “Stell dir mal vor, jemand klebt dir ein Paketband über den Mund.”
Wir laufen fast 2 Stunden durch das Gebiet und sind (trotz der Touristen) verzaubert.

Weiter geht’s den Golden Circle entlang zu den Geysiren. Schon aus der Ferne sehen wir die Wasserdampfsäulen aus der Erde steigen. Wie immer sind wir fast allein auf der Straße, um dann auf einem vollen Parkplatz zu stehen. Wie machen das die anderen? Hier gibt es nur eine Straße? Gibt es doch schon Teleportation?
Wir laufen zum Geothermalfeld und ich denke: “Riecht nach Hölle und sieht jetzt nicht allzu spektakulär aus. Erinnert mich an eine olle Baustelle.”
Ich muss das Gebiet erstmal auf mich wirken lassen, um die Schönheit zu entdecken.  Überall blubbert und sprudelt heißes Wasser aus der Erde. Die Erde ist gelb gefärbt von den Schwefelaussonderungen. Die Becken der Geysire sind türkisblau. Drumherum Berge und weites Land.
Der Strokkur bricht wirklich alle 5 Minuten aus und das geht rasend schnell. Puff und schon vorbei. Jeder Ausbruch wird vom Gejohle der Zuschauer begleitet. Vom ständigen Kamera-halten sind unsere Finger eisig kalt. Gut, dass das heiße Wasser über die Steine fließt, da können wir uns die Hände wärmen.

Geysirausbruch

Unsere letzte Station ist der Gullfoss. Ich sage zu Henrik: ” Wollen wir uns wirklich einen Wasserfall ansehen? Wir kennen doch schon Tausende aus Norwegen.” Henrik sagt zum Glück: ” Ist doch nicht mehr weit, lass uns mal schauen.” Und dann stehen wir vor dem größten Wasserfall Europas und einem der spektakulärsten der Welt. Irre!
Er ist wirklich unglaublich und mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Wir machen uns auf den Heimweg. Wieder ganz allein, fahren wir auf der Straße und kommen in ein großes, undurchsichtiges Nebelfeld. Ja, man muss vorsichtig sein auf den isländischen Straßen, von jetzt auf gleich kann sich die Wetterlage ändern.

In Reykjavik gehen wir bei Chuck Norris Burger essen und fallen dann erschöpft, aber selig ins Bett.

Tag 4 – Endlich Polarlichter

Die SONNE weckt uns. Jetzt verstehen wir langsam, warum unser Hotel “Room with a view” heißt. Wir können über die Stadt sehen und die Berge im Hintergrund bewundern.
Wir wollen heute einfach nur rumfahren und dann eigentlich in die Blaue Lagune zum Baden. Also schaue ich ins Internet, um die Tickets zu buchen. Die Blaue Lagune ist über Wochen mehr oder weniger ausgebucht. Wir könnten noch zwei Plätze um 21 Uhr buchen (um 22 Uhr machen das Bad zu). Die Karte pro Person kostet 60€ oder wir nehmen die Luxury Tickets ab 20Uhr für 210€ pro Person. Was bitte???
Wir entscheiden uns dagegen und werden nach einem Freibad auf unserem Weg Aussicht halten. Die gibt es hier überall und dort werden wir wahrscheinlich mehr Isländer und weniger Touristen treffen.
Wir fahren bei wunderschönem Sonnenschein Richtung Westen. Links der Atlantik, rechts die Berge. Bei dem Leuchtturm in Akranes steigen wir aus. Es ist bitterkalt, der Wind pfeift um uns rum und wir nur so BRRRR. Trotzdem gehen wir am goldenen Strand von Akranes spazieren. Der Strand ist schwarz, doch darüber liegt eine helle Schicht Sand und mit der Sonne darauf, leuchtet alles golden.
Wir fahren weiter, um den Hvalfjördur (ein Fjord) herum, steigen immer wieder aus, gehen ein Stück spazieren, bewundern Wasserfälle und lassen uns vom Wind durchpusten. Der Himmel ist blau und die Sonne lacht uns an.

Als wir genug vom Rumfahren haben, suchen wir uns ein Bad und werden in einem Wohngebiet fündig. Wir holen uns erstmal einen Hotdog und schauen den Isländern (vor allem den Kindern) im Eingangsbereich des Bades zu.
Der Eintritt kostet uns 6 € pro Person und wir können so lange bleiben wie wir wollen. Im Eingangsbereich zieht sich jeder, wirklich jeder, die Schuhe aus. Nach dem gründlichen Duschen geht es raus in ein Freibad. Die Sonne scheint zwar, aber die Lufttemperatur beträgt 1°C und im nassen Badeanzug stehst Du dann draußen.
Henrik sitzt schon in einem Becken, im Wärmsten mit 43°C und ich hinterher.  Nach 5 Minuten muss ich raus, ich stehe kurz vor einem Kreislaufkollaps. Also rein ins Schwimmerbecken mit 29°C, gleich geht es mir wieder besser.
Es ist irgendwie komisch, alles ist wie in einem normalen Freibad. Es gibt ein Schwimmerbecken, ein Kinderbecken, Rutschen, Wasserpilze, Leute sitzen am Beckenrand und dampfen vor sich hin, aber wir haben nur ein Grad Celsius. Für die Isländer sind diese Bäder Treffpunkte zum Quatschen und so schnattert es um uns herum. Wir fühlen uns wohl und in dem heißen Wasser ziemlich träge.
Nach zwei Stunden raffen wir uns auf und fahren ins Hotel zum Abendbrot essen. Wir haben noch etwas ganz Wichtiges vor.

Die Sonne geht langsam unter, wir können es nicht erwarten, dass es richtig dunkel wird. Immer wieder schauen wir beim Abendbrot machen und essen aus dem Fenster. Die Vorhersage für die Polarlichter ist zwar nicht so gut, aber der Himmel absolut wolkenfrei. Wenn wir sie heute nicht sehen, dann wird es wahrscheinlich nichts mehr.
Und dann, und dann… ein Streifen am Himmel, wie eine kleine Wolke. Doch die Wolke leuchtet grün und wird immer heller und auf einmal tanzt ein Nordlicht vor unserem Hotelzimmer. Wir können unser Glück kaum fassen.
Nach dem Abendbrot fahren wir raus zum Leuchtturm von Reykjavik. Hier gibt es ein Vogelschutzgebiet und es ist einigermaßen dunkel. Ein paar Autos stehen schon da. Wir steigen aus und nichts ist zu sehen.
Nee, das stimmt nicht. Wir haben Vollmond und der ist so hell, dass ich für unseren Spaziergang durch Vogelschutzgebiet keine Taschenlampe brauche. Wir werfen im Mondlicht lange Schatten und würden uns sehr darüber freuen, wenn wir nicht die Nordlichter suchen würden. Da wäre absolute Dunkelheit ein Vorteil. Nach fast eine Stunde wollen wir schon aufgeben, doch dann beginnt die Disco am Himmel. Immer wieder tanzen die Lichter. Schön ist das, aber es ist auch eisig kalt. Kurz vorm Erfrierungstod machen wir Schluss und fahren zurück ins Hotel. Was für ein toller Tag? Ein richtiger Traumerfüllungstag.

Tag 5 – Abschied nehmen

Nach dem Frühstück fahren wir heute Richtung Osten. Gleich hinter der Hauptstadt fährt man durch eine Hochebene. Überall liegt Schnee und die Sonne scheint ungehindert drauf. Eine Sonnenbrille haben wir nicht mit, also bleibt nur Augen zusammenkneifen. In unserem Alter eine gefährliche Angelegenheit. Wir haben jetzt nicht nur Lachfalten, sondern auch Islandfalten im Gesicht.
Aus dem eisigen Boden steigen überall Dampfsäulen, die uns zeigen, wie dünn die Erdkruste hier ist. Island ist ein unwirkliches, fasziniertes Land, dessen Schönheit sich (jedenfalls bei mir) erst langsam erschließt, dafür aber im Kopf hängen bleibt. Wir fahren durch diese unglaubliche Landschaft, die uns auch zeigt, wie die Erde entstanden ist. Zwei Vulkane (einer davon der berühmt, berüchtigte Eyjafjallajökull) grüßen aus der Ferne. Die Meeresufer sind aus erkalteten Lavaströmen gebaut. Es ist ein Land, durch das wir reisen. Das merken wie spätestens, als wir aussteigen. Der Wind hat richtig Fahrt aufgenommen. Nach 3 Minuten an der frischen Luft friert uns, trotz Mütze und Kapuze,  das Gehirn ein. Beim Foto knipsen werden sofort die Finger blau. Wir sind solche Weicheier und halten es nie länger als 10 Minuten draußen aus.
Zurück in der Hauptstadt geben wir unser kleines Mietauto ab, gehen noch mal die besten Zimtschnecken essen, drehen noch eine Runde durch die Innenstadt und verabschieden uns leise von Island. Am nächsten Morgen heißt es um 2:30 Uhr aufstehen und ab zum Flughafen. Um 6 Uhr hebt unser Flieger ab und wir schweben über den Wolken, als die Sonne in einem dunkelblauen Himmel orangegelb und wunderschön am Horizont aufgeht. Was für ein lichtdurchfluteter und passender Abschied.

Danke Island – Du bist wirklich eine Reise wert.

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Ein Kommentar zu “Island – Ein Tagebuch (Teil 2)

  1. Diesmal kein Zitat, sondern:
    “Nichts ist unbeholfener als ein lahmer Bär, ein leckes Schiff und ein Bursche, der nie hinter dem Ofen weggekommen ist.”
    ein Isländisches Sprichwort!

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