Toskana – Lichtspiele / Teil 3

Florenz – am Arno

#35 Toskana – Lichtspiele / Teil 3
Lied zum Text: Danger Mouse & D. Luppi  feat. Norah Jones “Black” 

Hier ist er jetzt der letzte Teil unserer Toskana-Reise. In diesem gibt es einen wunderschönen Po, einen schiefen Turm und ein ganz klein wenig Venedig.
Zuerst geht es nach Florenz. Keine Angst vor den Touristenmassen, wir sind zur richtigen Zeit hier, es ist fast schon leer (naja, wirklich nur fast).

Florenz ist eine Stadt, die man, laut einschlägiger Reisebücher, gesehen haben muss.
Bei meinem ersten Florenzbesuch bin ich nur bis zur vollen Ponte di Vecchio gekommen, habe mich vor den Touristenmassen erschreckt und habe den Tag im Giardino Bardini verbracht. Das war ein schöner Tag, aber von Florenz habe ich nichts gesehen und fand es auch nicht schlimm.
Jetzt, 20 Jahre später, locke ich meine Männer in diese Stadt, mit dem Vorhaben, mir die Stadt auch anzusehen. Ich bin gespannt, ob das klappt…
Erstmal bekommen wir einen Parkplatz direkt am Bahnhof und das ist schon mal ein guter Anfang für einen Stadtbummel. Touristen sind da, doch man sieht nicht nur Handys, Kameras oder die von den Asiaten geliebten iPads vor sich, sondern kann relativ normal laufen und sich die Stadt ansehen.
Vom Bahnhof (der wie alle Bahnhöfe nicht besonders schön ist) gehen wir Richtung Innenstadt zur “Cattedrale di Santa Maria del Fiore” oder kurz zum Dom. Und ja, dieser Platz mit dem Baptisterium, dem Campanile und dem Dom ist einfach mal beeindruckend. Die Fassade, wie ein Zebra gestreift und reich verziert, scheint aus einer anderen Welt zu kommen. Wir laufen einmal drumherum und haben nachher Nackenschmerzen vom vielen nach oben schauen. Auf der Rückseite des Doms ist bedeutend weniger los und man kann ganz in Ruhe staunen und die riesige Kuppel bewundern, die den Dom krönt. Noch beeindruckender sieht der Dom mit der Kuppel aus den Seitengassen aus, besonders aus der Via dello Studio.

Mehr zufällig stolpern wir bei unserem Rundgang über die Gasse, in der Dante geboren wurde. Im Frühjahr haben wir in Ravenna an seinem Grab gestanden. Der große Dichter verfolgt uns scheinbar oder wir (unterbewusst) ihn?

Florenz – an Dantes Geburtshaus

 

Florenz – David ( ein netter Po)

Weiter geht es zum David (also der Kopie vor dem Palazzo Vecchio), doch wir finden ihn nicht, verlaufen uns in den Gassen, bis wir Dank Google doch ans Ziel kommen. Hübsche Figur, die der Michelangelo da gemeißelt hat und schaut Euch den ruhig von hinten an – was für ein Po.

Wir laufen durch die Uffizien Richtung Ponte Vecchio weiter. Schauen auf der Brücke in die Auslagen der Juweliergeschäfte, die seit 1565 als einzige Geschäfte hier ansässig sind und stehen ein Stückchen dahinter vor dem kolossalen  Palazzo Piti. Mittlerweile kann ich das Alles nicht mehr genießen, weil meine Blase drückt, wir Hunger haben und die Füße wehtun. Wir finden ein ziemlich modernes Café und gehen den körperlichen Bedürfnissen nach. Eine Stunde später sind wir bereit für den Rückweg. Wir lassen uns von den Touristenströmen Richtung Bahnhof langsam mitziehen. Bewundern die tief stehende Nachmittagssonne, die immer wieder durch die Gassen scheint und die Stadt in den Weichzeichner legt. Schön und beeindruckend ist Florenz, eine “Großstadt” mit dreckigen Ecken, wo es abseits der Touristenströme auch echtes, italienisches Leben gibt.
Muss man sie gesehen haben? Keine Ahnung, aber ich bin froh, dass wir da waren.

Jetzt steht noch Pisa auf unserem Programm. Noch eine Stadt, in der ich vor 20 Jahre war und die ich blöd fand. Ich hatte das Gefühl, außer dem Turm gab es dort nichts zu sehen. Aber klar, unser Sohn möchte ein Bild mit dem italienischen Wahrzeichen und vielleicht überrascht mich die Stadt ja auch. Wieder bekommen wir einen Parkplatz in der Nähe des Bahnhofs, der ein gutes Stück von der Piazza dei Miracoli mit dem schiefen Turm entfernt ist und das ist mein Glück. So müssen wir durch Pisa laufen, am Arno vorbei, an dessen Ufer die großen alten Palazzos stehen und die sehenswerte, niedliche Chiesa di Santa Maria della Spina (italienisch ist wirklich eine schöne Sprache). Von dort geht es durch gewundene Straßen und vorbei an hübschen Straßencafés zum schiefen Turm. Kaum kommt der Turm in Sicht, sieht man die Touristen bei allen möglichen Verrenkungen, um das “spaßigste” Bild mit ihm zu knipsen. Er ist schon was besonderes mit seiner Schieflage. Wobei- vor 20 Jahren war er schiefer. Da gab es auch überall Seile und Baumaterial, was ihn aufrichten sollte. Ich war damals mit meiner Bautechnikklasse da und unser Lehrer bezweifelte, ob die Bemühungen etwas bringen. Aber jetzt, 20 Jahre später kann ich beruhigt mitteilen, es hat was gebracht. Der Turm richtet sich auf und man darf auch wieder hinauf.
Außer dem schiefen Turm gibt es auf der Piazza dei Miracoli noch einen großen Dom und das Battistero. Alles zusammen strahlt in hellem Marmorweiss und bildet ein einmaliges Ensemble. Wir wollen uns den Dom von innen ansehen, das geht zwar ohne Eintritt, aber nicht ohne Eintrittskarte mit Zeitfenster. Die 45 min Wartezeit vertreiben wir uns mit richtig italienischen Essen bei McDonalds.
Nach dem Dombesuch schauen wir noch eine ganze Weile den Touristen beim Verrenken zu. Das ist eigentlich der größte Spaß beim Besuch von Pisa.
Im Reiseführer habe ich noch etwas ganz besonderes entdeckt und möchte unbedingt dahin. Der große Keith Haring hat in Pisa sein letztes Wandgemälde gefertigt und das muss ich sehen. Durch die Haupteinkaufsstraße geht es zum Piazza Vittorio Emanuelle II, noch kurz rechts abgebogen und dann sieht man schon die bemalte Häuserwand.
Ich habe mich mit Pisa ausgesöhnt, die schönste Stadt ist es in meinen Augen immer noch nicht, aber man kann ruhig hinfahren und sie hat auf jeden Fall mehr zu bieten, als nur einen schiefen Turm.

Kommen wir jetzt noch zu dem ganz klein bisschen Venedig. Das kann man in Livorno entdecken. Livorno stand eigentlich nicht auf unserem Programm, aber wir wollten nochmal ans Meer und Livorno ist eine Hafenstadt. An Allerheiligen fahren wir dort hin, ohne das uns bewusst ist, dass Italien heute einen Feiertag hat. Wir wundern uns nur über die sehr leeren Straßen und das fast alle Geschäfte zu haben. Natürlich dämmert es uns irgendwann.
Bevor es uns zum Meer treibt, wollen wir Klein Venedig entdecken. Wir sind ganz gespannt, da wir ja im Frühjahr im großen Venedig waren.
OK, es gibt zwei, drei Kanäle und ein paar Brücken, aber Venedig?  Nee, liebes Tourismusmarketing, damit hat das hier nix zu tun.

Livorno ist keine besonders schöne Stadt – es ist halt eine Hafenstadt. Aber hier leben die Italiener wirklich. Es ist nicht nur ein großes Freilichtmuseum , sondern hier wird gewohnt, gestritten, geliebt, gearbeitet, Kinder großgezogen  … Und davon bekommen wir eine Menge an der Uferpromenade mit, wo sich heute die Großfamilien treffen und einen ganz schönen Krach machen. Wir setzen uns mitten hinein, mit Cappuccino, Eistee und einem heißen grünem Tee und lassen das Leben auf uns wirken.
Eigentlich wollen wir am Abschluss des Tages noch irgendwo etwas Essen, aber alles hat abends zu. Also fahren wir “nach Hause” und genießen mal wieder einen stimmungsvollen Sonnenuntergang auf unserer Terrasse.

Am letzten Tag wollen wir wandern. Wir haben mitbekommen, dass ganz in der Nähe unserer Ferienwohnung eine alte Burg ist. Es geht 3 km nur bergauf und nachher 3 km nur bergab. Erst jammert man, weil das Herz-Kreislaufsystem kurz vorm Durchdrehen ist, dann weil einem die Knie schmerzen. Wer verdammt nochmal hatte diese Idee? Unterwegs müssen wir aufpassen, nicht erschossen zu werden. Die Jagdsaison ist eröffnet und in den Wäldern und Feldern um uns herum wird eifrig Fasan und Wildschwein geschossen.
Aber all das macht uns gar nichts aus, entschlossen machen wir uns auf den Weg und werden mit tollen Ausblicken und einer wirklich schönen Burgruine belohnt.
Die Knie können sich ja morgen im Flugzeug erholen.
Diese Wanderung bildet einen tollen Abschluss für unsere Toskanareise, von oben haben wir das Gefühl, die ganze Toskana und unsere Erlebnisstätten überblicken zu können.
Die Sonne und die Wolken spielen nochmal zum Abschied mit dem Licht auf den Hügeln dieses Paradieses.

 

 

 

 

 

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4 commentaires sur “Toskana – Lichtspiele / Teil 3

  1. Na da habt Ihr ja wirklich viel gesehen in der doch recht kurzen Zeit. Und Eure Fotos sind toll!! Ich teile genau die Ansichten zu den Orten, die Ihr besucht habt. Siena ist die schönste Stadt in der Toscana, aber Florenz und Piesa bieten tolle Impressionen. Die Dome berühren mich immer am meisten. In Florenz haben wir damals in einer Gasse irgendwo im Hinterhaus im 2. Stock eine phantastische Pizza gegessen. Bin schon gespannt wo es Euch demnächst hintreibt. Liebe Grüß Kathrin

  2. Ich glaube die Jahre verändern auch die Sichtweise auf die Dinge. Ich war zuletzt auf Klassenfahrt dort vor 35 Jahren und den Turm von Pisa haben wir nicht nur erklommen, wir waren natürlich mit unserem jungendlichen Leichtsinn auf das Dach und rauf , wo keiner hinkommt, der schönen Fotos wegen. Wenn das die Lehrer wüssten. Ansonsten hatte ich mich damals für Pisa nicht sonderlich interessiert, außer die hübschen Jungs mit ihren Mopets. Un piccolo italiano sulla sue bella moto….Also sind wir nachts aus der Herberge geschlichen, hatten uns in Pisa am Ende total verlaufen (hat sich gelohnt, der hübschen Jungs wegen)und der Busfahrer hatte Taxi gespielt und uns vor die Herberge gebracht und abgesetzt. Was ein Italiener , träum 🙂 Nur war das Tor zu, 4m Meter hoch, also rauf, auf der anderen Seite erwarteten uns mit verschränkten Armen die Lehrerschar, öhöm, das gab Saures. Soviel zu meinen Erinnerungen an Pisa, gerne würde ich ein Besuch mal “riskieren”, zumal mein Sohnemann ein absoluter Fan von Macciavelli ist, aber die Sache mit den Jungs lasse ich dann lieber 😉

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